Rund 460 Kilometer liegen zwischen den Weinbergen von Würzburg und den Königsschlössern bei Füssen. Die Romantische Straße verbindet auf dieser Strecke fränkische Weinorte, mittelalterliche Reichsstädte, barocke Residenzen und die Voralpenlandschaft des Pfaffenwinkels – ein Querschnitt durch Süddeutschland, den in dieser Dichte keine andere Route bietet. Seit 1950 ist sie durchgehend ausgeschildert und damit die älteste Ferienstraße Deutschlands.

Wer die Strecke zum ersten Mal plant, steht vor praktischen Fragen: Welche Orte lohnen einen kurzen Halt, welche eine Übernachtung? Kommt man auch ohne eigenes Auto durch? Und wann drängen sich die Reisebusse in Rothenburg und vor Neuschwanstein – und wann hat man die Gassen halbwegs für sich? Dieser Guide beantwortet genau das: mit allen wichtigen Etappen, einer Übersichtstabelle, einem Vergleich von Auto, Europabus und Bahn sowie konkreten Empfehlungen für die Hotelbasis.

Deutschlands älteste Ferienstraße

Die Romantische Straße ist keine historische Handelsroute, sondern eine touristische Idee der Nachkriegszeit. 1950 schlossen sich Städte und Landkreise zwischen Main und Allgäu zusammen, um Besucher – zunächst vor allem in Deutschland stationierte amerikanische Soldaten und ihre Familien – in die vom Krieg weitgehend verschonten Altstädte zu holen. Das Konzept ging auf: Heute zählt die Route zu den bekanntesten Reisezielen des Landes und ist in Japan und den USA teilweise bekannter als im Inland.

Die Strecke führt von Würzburg durch das Taubertal, über das Nördlinger Ries und Augsburg bis nach Füssen am Alpenrand. 29 Orte gehören offiziell zur Route, braune Hinweisschilder markieren den Verlauf in beide Richtungen. Parallel dazu verlaufen ein durchgehender Radweg und ein Fernwanderweg von jeweils rund 500 Kilometern Länge – einzelne Etappen lassen sich also auch mit dem Rad oder zu Fuß zurücklegen.

Die Etappen von Würzburg bis Füssen

Theoretisch lässt sich die Strecke an einem langen Tag durchfahren – sinnvoll ist das nicht. Planen Sie drei bis fünf Tage ein und setzen Sie Schwerpunkte. Die folgenden Stationen sind das Gerüst jeder Tour von Nord nach Süd.

Würzburg: Residenz und Frankenwein

Der nördliche Startpunkt ist zugleich einer der kulturellen Höhepunkte. Die Würzburger Residenz, seit 1981 UNESCO-Welterbe, gilt als Hauptwerk des süddeutschen Barock: Balthasar Neumann entwarf das Treppenhaus, Giovanni Battista Tiepolo malte darüber das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt. Danach lohnt der Weg hinunter zur Alten Mainbrücke, wo abends Einheimische mit einem Glas Silvaner am Geländer stehen – der „Brückenschoppen" ist in Würzburg eine Institution. Wer mehr Zeit hat, steigt zur Festung Marienberg hinauf oder besucht das Käppele, die Wallfahrtskirche auf dem gegenüberliegenden Hang. Den Abend verbringen Sie am besten in einer der traditionsreichen Weinstuben rund um Bürgerspital und Juliusspital – beide Stiftungen bewirtschaften seit Jahrhunderten eigene Weingüter und schenken ihre Lagen glasweise aus.

Rothenburg ob der Tauber: das Plönlein und die Stadtmauer

Kein Ort der Route ist so bekannt wie Rothenburg. Das Plönlein – die kleine Gabelung mit Fachwerkhaus, Brunnen und zwei Türmen – gehört zu den meistfotografierten Motiven Deutschlands. Sehenswerter ist fast noch die begehbare Stadtmauer: Auf dem überdachten Wehrgang lässt sich die Altstadt in etwa einer Stunde umrunden, mit Blick über Dächer und Taubertal. Am Abend führt der Nachtwächter im historischen Gewand durch die Gassen; die Nachtwächterführung startet in der Saison täglich am Marktplatz und erzählt anschaulich vom harten Alltag der Stadt im Mittelalter. Wer sich für Weihnachtstradition interessiert, findet bei Käthe Wohlfahrt das ganzjährig geöffnete Deutsche Weihnachtsmuseum; an Pfingsten spielt die Stadt mit dem Festspiel „Der Meistertrunk" ihre Rettung im Dreißigjährigen Krieg nach.

Stayhaus-Tipp: Übernachten Sie in Rothenburg, statt nur für zwei Stunden zu halten. Zwischen 10 und 16 Uhr schieben sich Reisegruppen durch die Gassen – am frühen Morgen und nach 17 Uhr gehört die Stadt den Übernachtungsgästen.

Dinkelsbühl: die stillere Schwester

Nur eine gute halbe Stunde südlich liegt Dinkelsbühl, das den Vergleich mit Rothenburg nicht scheuen muss: Die vollständig erhaltene Stadtmauer mit ihren Türmen, das gotische Münster St. Georg und die Giebelhäuser am Weinmarkt bilden ein geschlossenes Altstadtbild, das im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieb. Weil deutlich weniger Busse halten, wirkt der Ort alltäglicher und ruhiger. Wer im Juli kommt, erlebt mit der Kinderzeche eines der ältesten Heimatfeste Süddeutschlands.

Nördlingen: die Stadt im Krater

Nördlingen besitzt als einzige Stadt Deutschlands eine komplett begehbare, kreisrunde Stadtmauer – der Rundgang auf dem Wehrgang dauert etwa eine Stunde. Vom „Daniel", dem 90 Meter hohen Turm der St.-Georgs-Kirche, überblickt man die kreisförmige Altstadt und das Nördlinger Ries: einen Meteoritenkrater, der vor rund 14,5 Millionen Jahren entstand. Viele Gebäude der Stadt sind aus Suevit gebaut, dem beim Einschlag entstandenen Gestein. Das RiesKraterMuseum erklärt die Geologie so verständlich, dass selbst die NASA hier einst ihre Apollo-Astronauten schulte.

Augsburg: Fuggerei und Wasserkunst

Mit über 2.000 Jahren Geschichte – gegründet 15 v. Chr. als römisches Augusta Vindelicum – ist Augsburg die große Stadt der Route. Berühmtestes Ziel ist die Fuggerei, die 1521 von Jakob Fugger gestiftete und bis heute bewohnte älteste Sozialsiedlung der Welt: Die Jahreskaltmiete beträgt weiterhin 0,88 Euro, dazu verpflichten sich die Bewohner zu drei Gebeten täglich. Sehenswert sind außerdem der Goldene Saal im Rathaus und das historische Wassermanagement-System mit seinen Kanälen und Wassertürmen, das 2019 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Wieskirche: Rokoko auf der Wiese

Kurz vor dem Alpenrand steht mitten im Pfaffenwinkel die Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies, kurz Wieskirche. Von außen schlicht, entfaltet der Bau von Dominikus Zimmermann innen eine der vollendetsten Rokoko-Ausstattungen Europas – seit 1983 UNESCO-Welterbe. Der Kontrast zwischen der freien Wiesenlage bei Steingaden und dem lichtdurchfluteten Innenraum macht den besonderen Reiz des Ortes aus; eingeplant sind hier meist 45 bis 60 Minuten.

Füssen und Schloss Neuschwanstein

Am südlichen Endpunkt wartet der bekannteste Programmpunkt: Schloss Neuschwanstein bei Schwangau, ab 1869 für König Ludwig II. erbaut und schon 1886, wenige Wochen nach seinem Tod, für Besucher geöffnet. Die Besichtigung ist nur mit geführter Tour und Zeitfensterticket möglich. Füssen selbst wird oft unterschätzt: Das Hohe Schloss über der Altstadt, der Lechfall am Stadtrand und die barocke Klosteranlage St. Mang lohnen einen halben Tag. Den klassischen Blick auf Neuschwanstein bietet die Marienbrücke über der Pöllatschlucht – bei Andrang heißt es dort allerdings anstehen. Direkt nebenan lohnen auch Schloss Hohenschwangau, in dem Ludwig II. aufwuchs, sowie das Museum der bayerischen Könige am Alpsee – beide Häuser sind deutlich weniger überlaufen als der große Nachbar.

Stayhaus-Tipp: Buchen Sie das Zeitfensterticket für Neuschwanstein mehrere Wochen im Voraus online über das offizielle Ticketcenter Hohenschwangau. Restkarten für denselben Tag sind in der Hauptsaison die Ausnahme, nicht die Regel.

Schloss Neuschwanstein bei Füssen vor Alpenkulisse
Schloss Neuschwanstein bei Füssen – der südliche Endpunkt der Romantischen Straße

Auto, Europabus oder Bahn?

Die Romantische Straße ist als Autoroute konzipiert, aber nicht darauf beschränkt. Drei Varianten haben sich bewährt.

Mit dem eigenen Auto

Das Auto bleibt die flexibelste Wahl: Nur so erreichen Sie Zwischenstopps wie die Herrgottskirche in Creglingen oder die Burg Harburg ohne Umstände. Die Route folgt größtenteils Bundesstraßen, allen voran der B25 zwischen Rothenburg und Donauwörth. Rechnen Sie mit gemütlichem Tempo – Ortsdurchfahrten gehören zum Konzept. In den Altstädten parken Sie am besten auf den ausgeschilderten Plätzen vor den Stadtmauern, in Rothenburg etwa auf den Parkplätzen P1 bis P5. Mautgebühren fallen auf deutschen Bundesstraßen nicht an, und die Route lässt sich selbstverständlich auch von Süd nach Nord fahren – im Herbst hat das den Vorteil, dass Sie das Alpenpanorama im Rücken lassen und in die Weinlese hineinfahren.

Mit dem Europabus

Für Reisende ohne Auto verkehrt in der Sommersaison – in der Regel von April bis Oktober – der Fernbus der Romantischen Straße, oft Europabus genannt. Er fährt einmal täglich je Richtung die Strecke zwischen Frankfurt bzw. Würzburg und München/Füssen ab und hält an den wichtigsten Orten, darunter Rothenburg, Dinkelsbühl, Nördlingen und Augsburg. Wer unterwegs übernachtet, steigt einfach am Folgetag wieder zu. Sitzplätze sollten Sie vorab reservieren; die aktuellen Fahrtage veröffentlicht die Touristik-Arbeitsgemeinschaft Romantische Straße vor jeder Saison.

Mit Regionalzügen

Überraschend gut funktioniert die Bahn-Variante, zumal mit dem Deutschlandticket. Würzburg und Augsburg sind ICE-Halte, Rothenburg erreichen Sie mit einmal Umsteigen in Steinach (bei Rothenburg), Nördlingen ist über Donauwörth oder Aalen angebunden, und nach Füssen führt eine Regionalbahn ab Augsburg über Buchloe. Lücken bleiben bei Dinkelsbühl, das keinen Personenbahnhof mehr hat, und bei der Wieskirche – beide erreichen Sie per Regionalbus, die Wieskirche ab Füssen. Wer nur die Höhepunkte will, kombiniert deshalb am besten Bahn und einzelne Bustage. Fahrpläne prüfen Sie idealerweise am Vorabend – auf den Nebenstrecken verkehren manche Linien nur im Stundentakt.

Die Etappen im Überblick

Die ausgeschilderte Route ist mit allen Schleifen und Ortsdurchfahrten rund 460 Kilometer lang. Die Tabelle nennt die ungefähren Distanzen zwischen den Hauptorten und je einen lohnenden Zwischenstopp.

AbschnittStrecke (ca.)Unterwegs sehenswert
Würzburg – Rothenburg ob der Tauber100 kmSchloss Weikersheim, Herrgottskirche Creglingen (Riemenschneider-Altar)
Rothenburg – Dinkelsbühl50 kmFeuchtwangen mit romanischem Kreuzgang
Dinkelsbühl – Nördlingen32 kmWallerstein am Riesrand
Nördlingen – Augsburg75 kmBurg Harburg über der Wörnitz, Donauwörth
Augsburg – Wieskirche95 kmLandsberg am Lech, Kloster Rottenbuch
Wieskirche – Füssen25 kmSchwangau mit Schloss Hohenschwangau

Die beste Reisezeit

Die angenehmsten Monate sind Mai und Juni sowie September und Oktober: mildes Wetter, lange Tage und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Der Herbst hat im Taubertal mit der Weinlese und verfärbten Hängen ein zusätzliches Argument. Im Mai und Juni bereichert das Würzburger Mozartfest mit Konzerten in der Residenz den Auftakt der Route. Im August sind Rothenburg und Neuschwanstein zur Mittagszeit stark frequentiert – legen Sie Besichtigungen dann auf den frühen Morgen oder späten Nachmittag und die Fahrstrecken auf die Mittagsstunden.

Eine eigene Empfehlung verdient der Dezember: Der Rothenburger Reiterlesmarkt verwandelt den Marktplatz in einen der stimmungsvollsten Weihnachtsmärkte Süddeutschlands, und die Stadt wirkt im Winterlicht wie aus der Zeit gefallen. Beachten Sie im Winter allerdings eingeschränkte Öffnungszeiten kleinerer Museen; die Marienbrücke bei Neuschwanstein kann bei Eis gesperrt sein.

Übernachten entlang der Route

Als Basis haben sich die Endpunkte und Augsburg bewährt. Im Norden bietet sich neben Würzburg auch Nürnberg an – die Frankenmetropole liegt nur gut eine Stunde von Rothenburg entfernt, hat ein großes Hotelangebot und ist selbst einen Abend wert. In der Streckenmitte ist Augsburg mit seiner Bahnanbindung der logische Stopp. Am südlichen Ende übernachten viele Reisende in Füssen oder fahren weiter nach München, das per Regionalbahn in rund zwei Stunden erreicht ist. Preisbewusste finden dort unter den günstigen Hotels in München auch in der Hauptsaison Optionen; einen Überblick über alle Häuser entlang der Route gibt unsere Hotelübersicht. Wer die Gegenrichtung fährt, dreht die Logik einfach um: erst München und die Schlösser, zum Abschluss Frankenwein in Würzburg. Buchen Sie Rothenburg und Füssen in der Hauptsaison möglichst früh – die Auswahl innerhalb der kleinen Altstädte ist begrenzt.

Praktische Informationen

  • Streckenlänge: rund 460 km von Würzburg bis Füssen; empfohlene Reisedauer 3–5 Tage mit dem Auto.
  • Anreise: ICE-Halte in Würzburg, Augsburg und München; Füssen per Regionalbahn ab Augsburg/München.
  • Beschilderung: braune Schilder „Romantische Straße" in beiden Fahrtrichtungen; parallel Radweg und Wanderweg (je ca. 500 km).
  • Neuschwanstein: Besichtigung nur mit Führung und Zeitfensterticket; Online-Buchung mehrere Wochen im Voraus, Eintritt ca. 15–25 €.
  • Residenz Würzburg: Eintritt ca. 10–12 €, Hofgarten frei zugänglich.
  • Europabus: verkehrt in der Regel April–Oktober einmal täglich je Richtung; Reservierung empfohlen.
  • Nahverkehr: Regionalzüge und -busse sind im Deutschlandticket enthalten – die günstigste Variante für Teilstrecken.
  • Beste Reisezeit: Mai–Juni und September–Oktober; Dezember für den Reiterlesmarkt in Rothenburg.