München verlangt Besuchern eine Entscheidung ab, die es in kaum einer anderen deutschen Großstadt gibt: zwischen Weltklasse-Museen und Biergartenbank, zwischen dicht bebauter Altstadt und einem Stadtpark, der größer ist als der Central Park. Die gute Nachricht: Die Wege sind kurz. Fast alles Sehenswerte liegt innerhalb des Mittleren Rings, und was darüber hinausgeht – allen voran Schloss Neuschwanstein im Allgäu –, erreichen Sie bequem mit dem Regionalzug.
Dieser Guide führt Sie durch die Altstadt zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt, in die Pinakotheken des Kunstareals, an die Eisbachwelle im Englischen Garten und in die vier wichtigsten Biergärten der Stadt. Dazu kommen eine Übersicht der besten Viertel zum Übernachten und alle praktischen Informationen zur Anreise. Einen Gesamtüberblick über das Reiseziel mit allen buchbaren Unterkünften finden Sie auf unserer Seite zu München.
Die Altstadt: Marienplatz, Viktualienmarkt und zwei besondere Kirchen
Marienplatz und Glockenspiel
Das Zentrum der Stadt ist seit dem Mittelalter der Marienplatz, überragt vom Neuen Rathaus mit seiner neugotischen Fassade. Täglich um 11 und um 12 Uhr – von März bis Oktober zusätzlich um 17 Uhr – setzt sich im Rathausturm das Glockenspiel in Bewegung: 32 Figuren spielen die Ritterhochzeit von 1568 und den Schäfflertanz nach. Wer den Platz von oben sehen will, fährt mit dem Aufzug auf den Rathausturm oder steigt die 306 Stufen des Alten Peter hinauf, des Turms der Peterskirche gleich nebenan; von dort reicht der Blick bei Föhn bis zu den Alpen.
Viktualienmarkt
Zwei Gehminuten südlich beginnt der Viktualienmarkt, seit 1807 der zentrale Lebensmittelmarkt der Stadt. An rund 100 Ständen gibt es bayerischen Käse, geräucherten Fisch, Obst, Blumen und Gewürze – und in der Mitte einen Biergarten unter Kastanien, in dem die sechs großen Münchner Brauereien im Wechsel ausschenken. Der Markt ist von Montag bis Samstag geöffnet, sonntags bleiben die Stände geschlossen. Für eine schnelle Mittagspause sind die Suppenküche und die Fischbratereien am Rand des Marktes eine verlässliche Wahl.
Frauenkirche und Asamkirche
Die spätgotische Frauenkirche mit ihren beiden 99 Meter hohen Türmen und den charakteristischen Kuppelhauben ist das Wahrzeichen der Stadt – kein Gebäude in der Innenstadt darf höher gebaut werden. Im Inneren lohnt der Blick auf den sogenannten Teufelstritt am Eingang und auf das Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern; der Südturm ist per Aufzug zugänglich. Ganz anders die Asamkirche an der Sendlinger Straße: Die Brüder Asam bauten sie im 18. Jahrhundert als private Stiftung, auf kaum 30 Metern Länge entfaltet sich hier der komplette Überschwang des bayerischen Spätbarocks. Der Besuch ist kostenlos und dauert selten länger als eine Viertelstunde – gerade deshalb gehört er ins Programm.
Zwischen beiden Kirchen liegt die Residenz, der frühere Stadtpalast der Wittelsbacher und heute eines der größten Raumkunstmuseen Europas. Höhepunkte sind das Antiquarium – ein 66 Meter langer Renaissancesaal –, die Schatzkammer mit den Kroninsignien und das Rokoko-Juwel des Cuvilliés-Theaters; der Eintritt liegt je nach Kombiticket bei ca. 10–17 €. Direkt dahinter öffnet sich der Hofgarten mit seinen Arkaden, und am Odeonsplatz zitiert die Feldherrnhalle die Loggia dei Lanzi in Florenz – ein guter Punkt, um den Altstadtrundgang zu beenden.
Museen: Das Kunstareal und das Deutsche Museum
Die Pinakotheken
In der Maxvorstadt liegen die drei Pinakotheken nur wenige Schritte voneinander entfernt. Die Alte Pinakothek zeigt europäische Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, darunter Dürers Selbstbildnis im Pelzrock und Rubens' monumentale Werkgruppe. Die Neue Pinakothek mit der Kunst des 19. Jahrhunderts ist wegen Generalsanierung langfristig geschlossen; ihre wichtigsten Werke – darunter van Goghs Sonnenblumen – hängen währenddessen im Erdgeschoss der Alten Pinakothek. Die Pinakothek der Moderne vereint unter einem Dach vier Sammlungen zu Kunst, Grafik, Architektur und Design. Der reguläre Eintritt liegt je Haus bei ca. 7–10 €.
Stayhaus-Tipp: Planen Sie die Museen auf einen Sonntag. Dann kosten die Alte Pinakothek, die Pinakothek der Moderne und weitere staatliche Häuser wie das Museum Brandhorst nur einen symbolischen Euro Eintritt. Kommen Sie zur Öffnung um 10 Uhr, dann haben Sie die Säle noch weitgehend für sich.
Deutsches Museum
Auf der Museumsinsel in der Isar steht das Deutsche Museum, eines der größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt. Nach der Modernisierung präsentieren sich die Abteilungen von der Luft- und Raumfahrt über die Musikinstrumente bis zur berühmten Bergwerksanlage in neuem Zustand; der Eintritt liegt bei ca. 15–18 €. Realistisch betrachtet ist das Haus ein Halbtagesprogramm – wählen Sie vorab drei, vier Abteilungen aus, statt alle 20 Kilometer Ausstellungsfläche ablaufen zu wollen.
Englischer Garten: Eisbachwelle, Monopteros und Bierkultur
Die Eisbachwelle
Am Südrand des Englischen Gartens, direkt hinter dem Haus der Kunst, surfen Sportler das ganze Jahr über auf der Eisbachwelle – einer stehenden Welle im eiskalten Stadtbach, die längst zu den meistfotografierten Orten der Stadt gehört. Gesurft wird hier nur mit Erfahrung – die Welle ist nichts für Anfänger –, aber das Zuschauen von der Brücke an der Prinzregentenstraße kostet nichts und lohnt zu jeder Jahreszeit. Von dort führt der Weg in einen Park, der mit 375 Hektar zu den größten innerstädtischen Grünanlagen der Welt zählt: vorbei am Monopteros mit seinem Blick auf die Altstadtsilhouette bis zum Chinesischen Turm und weiter zum Kleinhesseloher See.
Biergartenkultur: die wichtigsten Adressen im Vergleich
Der Biergarten ist in München eine Institution mit eigenen Regeln: In den Selbstbedienungsbereichen dürfen Sie Ihre eigene Brotzeit mitbringen, nur die Getränke kommen vom Ausschank. Eine Maß Bier kostet je nach Haus ca. 9–13 €. Geöffnet ist bei gutem Wetter in der Regel von Frühjahr bis in den Oktober, meist bis 23 Uhr; einen festen Ruhetag kennen die großen Häuser nicht. Die vier wichtigsten Adressen im Überblick:
| Biergarten | Plätze | Lage | Ambiente |
|---|---|---|---|
| Chinesischer Turm | ca. 7.000 | Englischer Garten | Lebhaft und international, Blasmusik vom Turm, viele Radfahrer und Studenten |
| Augustiner-Keller | ca. 5.000 | Arnulfstraße, nahe Hauptbahnhof | Traditionshaus unter alten Kastanien, Bier aus dem Holzfass, viele Münchner |
| Königlicher Hirschgarten | ca. 8.000 | Nymphenburg | Größter Biergarten der Stadt, familienfreundlich, mit Wildgehege nebenan |
| Seehaus | ca. 2.500 | Kleinhesseloher See | Gepflegt und etwas gehobener, direkt am Wasser, schöne Abendstimmung |
Als Faustregel gilt: Der Chinesische Turm ist die erste Wahl für Besucher mitten im Park, der Augustiner-Keller die beste Adresse für den Abend vor der Abreise, der Hirschgarten ideal für Familien und das Seehaus der richtige Ort, wenn es etwas ruhiger sein soll.
Bayerisch essen: Weißwurst, Brezn und Schweinsbraten
Die Münchner Küche ist deftig, aber präzise. Die Weißwurst wird traditionell nur vormittags gegessen – klassisch mit süßem Senf, einer frischen Brezn und einem Weißbier, und der Legende nach darf sie das Zwölfuhrläuten nicht hören. Gute Adressen dafür sind die Wirtshäuser rund um den Viktualienmarkt. Mittags oder abends gehören Schweinsbraten mit Kruste und Knödel, Obazda und Kaiserschmarrn auf die Karte. Das weltbekannte Hofbräuhaus dürfen Sie sich ansehen, kulinarisch verlässlicher sind aber Häuser wie die Augustiner Bräustuben an der Landsberger Straße oder das Wirtshaus in der Au, das für seine Knödelvarianten bekannt ist. Eine Reservierung am Abend ist in den bekannten Wirtshäusern fast immer nötig. Für den Nachmittag empfiehlt sich ein Stück Prinzregententorte in einem der traditionsreichen Innenstadtcafés, etwa im Café Luitpold an der Brienner Straße; und wer Markt- statt Wirtshausatmosphäre sucht, isst mittags im Stehen am Viktualienmarkt – günstiger kommt man in der Altstadt kaum an ein warmes Essen.
Tagesausflug: Schloss Neuschwanstein und Füssen
Der berühmteste Ausflug ab München führt ins Allgäu: Schloss Neuschwanstein, ab 1869 für König Ludwig II. errichtet, thront oberhalb von Hohenschwangau vor der Kulisse der Ammergauer Alpen. Der Regionalzug bringt Sie vom Hauptbahnhof in rund zwei Stunden nach Füssen, von dort fahren die Busse 73 und 78 in etwa zehn Minuten zum Ticketcenter in Hohenschwangau. Für Bahn und Bus lohnt sich das Bayern-Ticket, das für einen Festpreis den ganzen Tag im Regionalverkehr gilt und bis zu fünf Personen gemeinsam reisen lässt. Der Aufstieg zum Schloss dauert zu Fuß etwa 30 bis 40 Minuten; wer Kräfte sparen will, nimmt den Shuttlebus oder eine Kutsche.

Stayhaus-Tipp: Buchen Sie die Schlossführung unbedingt vorab online über das offizielle Ticketcenter Hohenschwangau – in der Hauptsaison sind die Tageskontingente vor Ort oft schon am Vormittag vergriffen. Den klassischen Blick auf das Schloss haben Sie von der Marienbrücke über der Pöllatschlucht; prüfen Sie vor dem Ausflug, ob sie geöffnet ist, denn bei Eis und Schnee wird sie gesperrt.
Planen Sie nach der Führung noch eine Stunde für die Altstadt von Füssen ein, bevor der Zug zurück nach München fährt – die bemalten Fassaden der Reichenstraße und das Hohe Schloss sind den kleinen Umweg wert. Wer früh dran ist, kombiniert den Ausflug mit einer Runde um den Alpsee bei Hohenschwangau: Der Uferweg dauert etwa anderthalb Stunden und zählt zu den lohnendsten leichten Wanderungen der Region.
Übernachten in München: die Viertel im Überblick
Altstadt
Wer zentral wohnt, hat Marienplatz, Viktualienmarkt und Residenz vor der Tür – bezahlt dafür aber die höchsten Preise der Stadt. Hier konzentrieren sich auch die Luxushäuser; eine Auswahl zeigt unsere Übersicht der 5-Sterne-Hotels in München.
Schwabing und Maxvorstadt
Nördlich der Altstadt liegen die Museen des Kunstareals, die Ludwig-Maximilians-Universität und der Englische Garten. Die Viertel sind lebendig, aber nicht laut – eine gute Wahl für alle, die Cafés und Buchläden schätzen und zu Fuß im Grünen sein wollen.
Haidhausen
Östlich der Isar, rund um den Ostbahnhof und das sogenannte Franzosenviertel, wohnt man ruhiger und oft günstiger. Mit S-Bahn und U-Bahn sind Sie trotzdem in wenigen Minuten am Marienplatz, und die Wirtshausdichte ist hoch.
Rund um den Hauptbahnhof
Das Bahnhofsviertel ist funktional statt schön, dafür ist die Auswahl an preiswerten Betten nirgends größer und jeder Zug – auch der nach Füssen – startet vor der Haustür. Passende Häuser finden Sie in unserer Übersicht der günstigen Hotels in München; sämtliche buchbaren Unterkünfte deutschlandweit listet die Hotelübersicht.
Praktische Informationen
Anreise mit Bahn und Flugzeug
Der Münchner Hauptbahnhof ist ICE-Knoten: Aus Frankfurt am Main sind Sie in gut 3 Stunden da, aus Berlin in rund 4 Stunden, aus Hamburg in etwa 5 Stunden 30 Minuten. Der Flughafen München (MUC) liegt rund 35 Kilometer nordöstlich der Stadt im Erdinger Moos; die S1 und die S8 fahren im Wechsel etwa alle zehn Minuten in die Innenstadt, die Fahrt zum Marienplatz dauert rund 40 Minuten. Ein Lufthansa-Express-Bus zum Hauptbahnhof ist die Alternative bei Gepäck. Auch aus dem Ausland ist die Anbindung gut: Railjets aus Salzburg erreichen München in rund 1 Stunde 30 Minuten, aus Zürich dauert die Fahrt etwa 3 Stunden 30 Minuten.
Nahverkehr
Das MVV-Netz aus S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus deckt die ganze Stadt ab; für Besucher genügt fast immer die Zone M, die Tageskarte dafür kostet ca. 9–10 €. Alle S-Bahn-Linien bündeln sich auf der Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof, Marienplatz und Ostbahnhof, die U3 und U6 halten direkt unter dem Marienplatz. Zum Flughafen benötigen Sie die Zonen M bis 5. Die Innenstadt selbst erkunden Sie am besten zu Fuß – vom Marienplatz zur Frauenkirche sind es zwei Minuten, zum Viktualienmarkt drei. Tickets kaufen Sie am Automaten oder per App; Papierfahrscheine müssen vor Fahrtantritt entwertet werden. Für kurze Wege sind zudem die Leihräder der MVG an fast jeder größeren Kreuzung eine praktische Ergänzung.
Beste Reisezeit
Von Mai bis September zeigt sich München von seiner besten Seite, dann sind die Biergärten täglich geöffnet und die Isarufer belebt. Ende September bis Anfang Oktober bestimmt das Oktoberfest die Stadt – wer nicht wegen der Wiesn kommt, sollte diesen Zeitraum meiden, denn die Hotelpreise vervielfachen sich. Der Advent hat mit dem Christkindlmarkt am Marienplatz seinen eigenen Reiz, und im Winter locken die Alpen vor der Haustür; für die Museen wiederum sind die ruhigen Monate Januar und Februar ideal.