Dresden trägt den Beinamen „Elbflorenz“ seit dem 18. Jahrhundert – geprägt von Reisenden, die in der barocken Silhouette am Fluss eine Verwandtschaft mit der toskanischen Kunststadt erkannten. Tatsächlich besitzt kaum eine andere deutsche Stadt ein derart geschlossenes historisches Panorama: Hofkirche, Residenzschloss, Frauenkirche und Brühlsche Terrasse reihen sich am linken Elbufer auf, während der Fluss davor eine weite Kurve durch Wiesen zieht, die bis heute unbebaut geblieben sind.

Dass dieses Bild überhaupt wieder existiert, ist das Ergebnis einer der bemerkenswertesten Wiederaufbauleistungen Europas – 1945 lag das Zentrum in Trümmern. Dieser Guide führt durch die Altstadt und ihre Museen, über die Elbe in die Äußere Neustadt, per Rad zu den Elbschlössern und mit der S-Bahn ins Elbsandsteingebirge. Am Ende finden Sie einen konkreten Zwei-Tage-Plan, praktische Informationen und Hoteltipps – einen Überblick über die Stadt gibt es auf unserer Seite zum Reiseziel Dresden.

Frauenkirche und Neumarkt: Wiederaufbau als Maßstab

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 zerstörten Luftangriffe das Dresdner Zentrum fast vollständig. Die Frauenkirche, George Bährs steinerner Kuppelbau von 1743, überstand die Brandnacht zunächst – und stürzte am Morgen des 15. Februar ausgebrannt in sich zusammen. Die DDR beließ den Trümmerberg jahrzehntelang als Mahnmal. Erst 1994 begann der archäologische Wiederaufbau, zu großen Teilen aus Spenden aus aller Welt finanziert; 2005 wurde die Kirche neu geweiht. Rund 3.800 Originalsteine wurden dabei wieder eingesetzt – an ihrer dunklen Patina sind sie in der hellen Sandsteinfassade bis heute klar zu erkennen. Das neue Turmkreuz fertigte ein Londoner Silberschmied, dessen Vater 1945 als Pilot an den Angriffen beteiligt war – ein Detail, das die Versöhnungsgeschichte des Baus greifbarer macht als jede Broschüre.

Der Neumarkt rings um die Kirche entstand in den Jahren danach Quartier für Quartier neu, überwiegend in historischen Kubaturen und mit rekonstruierten Leitfassaden. Man kann über diese Art Stadtreparatur streiten, doch als Ensemble funktioniert der Platz: Cafés, Läden und das Verkehrsmuseum im Johanneum rahmen die Kirche, und abends, wenn die Reisegruppen fort sind, gehört der Platz wieder den Dresdnern.

Der Kuppelaufstieg

Über eine flache Wendelrampe im Inneren der steinernen Kuppel, einen Aufzug und zuletzt einige Treppenstufen erreichen Sie die Aussichtsplattform in 67 Metern Höhe. Der Rundblick reicht über Neumarkt und Residenzschloss bis zu den Weinhängen von Radebeul und – bei klarer Sicht – zu den Tafelbergen der Sächsischen Schweiz. Der Aufstieg kostet ca. 8–10 €; am leersten ist es direkt zur Öffnung am Vormittag.

Stayhaus-Tipp: Verbinden Sie den Kuppelaufstieg am frühen Vormittag mit einer der kurzen Orgelandachten am Mittag. So erleben Sie Aussicht und Innenraum der Frauenkirche am selben Tag – und beides ohne Gedränge.

Zwinger und Semperoper: das barocke Machtzentrum

Der Zwinger, zwischen 1709 und 1728 unter August dem Starken von Matthäus Daniel Pöppelmann errichtet, war nie eine Festung, sondern Orangerie, Festplatz und Bühne höfischer Selbstdarstellung. Das Kronentor mit der vergoldeten polnischen Königskrone, der Glockenspielpavillon mit Glocken aus Meißner Porzellan und das versteckte Nymphenbad gehören zu den meistfotografierten Motiven der Stadt – der Innenhof mit seinen Wasserbecken ist frei zugänglich.

Gemäldegalerie Alte Meister

Im Semperbau am Zwinger hängt eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen Europas. Ihr berühmtestes Stück ist Raffaels Sixtinische Madonna (1512/13) – die beiden gelangweilten Engel am unteren Bildrand sind längst eine eigene Ikone. Dazu kommen Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“, Rembrandt, Cranach und die großformatigen Dresden-Veduten Bernardo Bellottos. Der Eintritt liegt bei ca. 12–16 € und schließt Porzellansammlung und Mathematisch-Physikalischen Salon im Zwinger mit ein.

Semperoper

Die Semperoper am Theaterplatz in Dresden
Die Semperoper am Theaterplatz – 1985, vierzig Jahre nach der Zerstörung, wiedereröffnet

Gottfried Sempers Opernhaus am Theaterplatz brannte 1869 ab, wurde nach seinen Plänen vom Sohn Manfred neu errichtet, 1945 zerstört und am 13. Februar 1985 – exakt vierzig Jahre nach der Bombennacht – wiedereröffnet. Hier spielt die Sächsische Staatskapelle, 1548 gegründet und damit eines der ältesten Orchester der Welt. Wer keine Vorstellung erlebt, kann tagsüber an einer Führung teilnehmen (ca. 12–15 €); Karten für Oper und Konzert sollten Sie mehrere Wochen im Voraus sichern.

Der Fürstenzug: 101 Meter Meißner Porzellan

An der Außenmauer des Stallhofs, entlang der Augustusstraße zwischen Schlossplatz und Neumarkt, zieht sich das größte Porzellanwandbild der Welt: der Fürstenzug, 101 Meter lang und aus rund 23.000 Fliesen Meißner Porzellans zusammengesetzt. Wilhelm Walthers Reiterzug zeigt 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus 800 Jahren Wettiner Herrschaft, dazu Wissenschaftler, Künstler und Handwerker. Ursprünglich in den 1870er-Jahren als Sgraffito ausgeführt, wurde das Bild 1904 bis 1907 auf gebrannte Fliesen übertragen – und überstand so die Feuernacht von 1945 nahezu unversehrt. Der Fürstenzug ist kostenlos und jederzeit zugänglich; werfen Sie auch einen Blick in den Stallhof mit seiner erhaltenen Renaissance-Turnierbahn.

Gleich nebenan lohnt das Residenzschloss mit dem Historischen Grünen Gewölbe, der barocken Schatzkammer Augusts des Starken. Für das historische Gewölbe brauchen Sie ein Zeitfenster-Ticket, das Sie am besten vorab online buchen; das Neue Grüne Gewölbe und die Rüstkammer sind ohne Zeitbindung zugänglich.

Der Canaletto-Blick: Dresden als Gemälde

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, kam 1747 als Hofmaler Augusts III. nach Dresden und malte die Stadt in großformatigen, fast fotografisch genauen Veduten. Sein berühmtester Blickwinkel – vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke auf Hofkirche, Schloss und Frauenkirche – wurde zum Inbegriff des Elbflorenz und nach 1945 zur Messlatte des Wiederaufbaus.

Historisches Gemälde mit Blick auf Dresden von der Elbe aus
Dresden im 19. Jahrhundert – Gemäldeansicht vom Elbufer

Wie deckungsgleich Gemälde und Gegenwart sind, prüfen Sie am besten selbst: Der klassische Standort liegt am Neustädter Elbufer zwischen Augustusbrücke und Marienbrücke, unweit des Japanischen Palais. Von hier staffeln sich Hofkirche, Hausmannsturm des Schlosses, Brühlsche Terrasse – im 19. Jahrhundert „Balkon Europas“ genannt – und die Kuppel der Frauenkirche exakt so, wie es die Veduten des 18. und 19. Jahrhunderts zeigen. Zur blauen Stunde, wenn die Fassaden angestrahlt werden und sich die Stadt im Fluss spiegelt, ist der Blick am eindrucksvollsten.

Äußere Neustadt: Kunsthöfe und Kneipenkultur

Auf der rechten Elbseite, hinter dem Goldenen Reiter und der Hauptstraße, beginnt ein anderes Dresden. Die Äußere Neustadt, ein Gründerzeitviertel, das die Angriffe von 1945 weitgehend überstand, ist heute eines der dichtesten Ausgehviertel Ostdeutschlands: Entlang von Alaunstraße, Louisenstraße und Görlitzer Straße reihen sich Cafés, Bars, Plattenläden und kleine Galerien. Tagsüber gehört das Viertel den Frühstückscafés, abends füllt es sich bis weit nach Mitternacht. Im Juni verwandelt das Straßenfest Bunte Republik Neustadt das Viertel drei Tage lang in eine einzige Bühne – wer es ruhiger mag, weicht in diesen Tagen besser aus.

Zwei Adressen sollten Sie sich merken. Die Kunsthofpassage zwischen Görlitzer Straße und Alaunstraße verbindet fünf thematisch gestaltete Innenhöfe mit Werkstätten und Läden – im „Hof der Elemente“ läuft Regenwasser hörbar durch ein blaues Röhrensystem an der Fassade. Und in der Pfunds Molkerei auf der Bautzner Straße verkauft man seit 1892 Käse und Milchprodukte zwischen handbemalten Majolikafliesen von Villeroy & Boch – ein Ladengeschäft wie ein begehbares Gesamtkunstwerk. Probieren Sie in einem der Cafés des Viertels ein Stück Eierschecke, den dreischichtigen sächsischen Klassiker.

Elbwiesen und Elbschlösser: Dresden per Rad

Der Elberadweg führt mitten durch die Stadt, und kaum etwas zeigt Dresden besser als eine Radtour flussaufwärts. Vom Terrassenufer rollen Sie auf breiten Wegen durch die Elbwiesen – jene unbebauten Flussauen, die das Stadtbild so großzügig wirken lassen. Nach gut fünf Kilometern erheben sich am rechten Hang die drei Elbschlösser über den Weinbergen: Schloss Albrechtsberg, das Lingnerschloss und Schloss Eckberg, allesamt im 19. Jahrhundert erbaut. Die Parks sind teilweise öffentlich zugänglich, die Terrassencafés im Sommer ein guter Zwischenstopp.

Weiter geht es zum Blauen Wunder, der filigranen Stahlbrücke von 1893 zwischen Loschwitz und Blasewitz. Am Loschwitzer Ufer fahren seit über einem Jahrhundert zwei historische Bergbahnen: die Standseilbahn von 1895 zum Weißen Hirsch und die Schwebebahn von 1901 nach Oberloschwitz – beide mit weitem Blick über das Elbtal. Zurück in die Altstadt bringt Sie die Straßenbahn, oder Sie nehmen einen der historischen Schaufelraddampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt, der ältesten Raddampferflotte der Welt. Wer Kondition mitbringt, verlängert flussaufwärts bis Schloss Pillnitz, der Sommerresidenz Augusts des Starken mit Park und berühmter Kamelie – von der Altstadt sind es rund 15 Kilometer am Wasser entlang.

Ausflüge: Bastei und Leipzig

Sächsische Schweiz per S-Bahn

Kaum eine Großstadt hat ein Felsengebirge so nah: Die S-Bahn-Linie S1 fährt vom Hauptbahnhof über Bahnhof Neustadt Richtung Bad Schandau und Schöna, nach rund 40 Minuten erreichen Sie Kurort Rathen. Dort setzt eine kleine Gierseilfähre – sie nutzt allein die Strömung der Elbe – auf die andere Flussseite über. Der Aufstieg zur Basteibrücke dauert 30 bis 45 Minuten: Die Sandsteinbrücke von 1851 spannt sich in 194 Metern Höhe über der Elbe zwischen die Felsnadeln, daneben liegen die Reste der mittelalterlichen Felsenburg Neurathen. Wer mag, verlängert über den Amselsee zurück nach Rathen oder fährt mit der S1 weiter nach Bad Schandau. Feste Schuhe genügen, alpine Ausrüstung braucht es nicht.

Stayhaus-Tipp: Nehmen Sie die S1 vor 9 Uhr. Ab dem späten Vormittag treffen die Reisebusse auf dem Plateau ein – wer früh oben ist, hat die Basteibrücke fast für sich und sitzt zur Mittagszeit schon bei einem Gasthaus in Rathen an der Elbe.

Leipzig: eine gute Stunde entfernt

Wer mehr Zeit mitbringt, kombiniert Dresden mit Leipzig – Regionalexpress und Intercity brauchen etwa 1 Stunde 15 Minuten. Die Messestadt ist der perfekte Kontrast zur Residenzstadt: bürgerlich statt höfisch, mit der Thomaskirche und dem Erbe Johann Sebastian Bachs, dem monumentalen Völkerschlachtdenkmal und der Baumwollspinnerei, in deren Hallen heute Galerien arbeiten. Anregungen finden Sie auf unserer Seite zum Reiseziel Leipzig.

Zwei Tage in Dresden: der Plan

Die Altstadt ist kompakt, die Wege sind kurz – zwei volle Tage reichen für die Kernpunkte samt Radtour oder Bastei-Ausflug. So könnte Ihr Programm aussehen:

ZeitProgrammHinweis
Tag 1, VormittagFrauenkirche mit Kuppelaufstieg, Bummel über den NeumarktFrüh kommen, Tickets vor Ort
Tag 1, MittagFürstenzug, Stallhof, Residenzschloss mit Grünem GewölbeHistorisches Grünes Gewölbe vorab online buchen
Tag 1, NachmittagZwinger und Gemäldegalerie Alte MeisterFür die Galerie 2–3 Stunden einplanen
Tag 1, AbendBrühlsche Terrasse, dann Canaletto-Blick vom Neustädter ElbuferZur blauen Stunde hinübergehen
Tag 2, VormittagRadtour durch die Elbwiesen zu Elbschlössern und Blauem WunderLeihräder in Altstadt und Neustadt
Tag 2, NachmittagÄußere Neustadt: Kunsthofpassage, Pfunds Molkerei, CafésSonntags sind einzelne Läden geschlossen
Tag 2, AbendVorstellung oder Führung in der SemperoperAlternative: Tag 2 komplett für die Bastei nutzen

Praktische Informationen

Anreise

Mit der Bahn ist Dresden gut angebunden: Von Berlin fahren IC und EC in rund 2 Stunden, von Leipzig sind es etwa 1 Stunde 15 Minuten, von Prag rund 2 Stunden 15 Minuten durch das Elbtal – eine der schönsten Bahnstrecken Mitteleuropas. Die Stadt hat zwei Fernbahnhöfe: den Hauptbahnhof südlich der Altstadt und Dresden-Neustadt auf der rechten Elbseite. Der Flughafen Dresden (DRS) liegt im Stadtteil Klotzsche; die S-Bahn-Linie S2 bringt Sie in 15 bis 20 Minuten ins Zentrum.

Nahverkehr

Das Straßenbahnnetz der Dresdner Verkehrsbetriebe ist dicht und zuverlässig; eine Einzelfahrt kostet ca. 3 €, die Tageskarte ca. 7–9 €. Zwischen Altstadt und Äußerer Neustadt gehen Sie ebenso gut zu Fuß über die Augustusbrücke. Praktisch für die Elbschlösser ist die Linie 11 Richtung Bühlau entlang der Bautzner Straße, für Ausflüge die S1 (Sächsische Schweiz) und die S2 (Flughafen).

Beste Reisezeit

Von Mai bis September spielen sich Elbwiesen, Biergärten und Dampferfahrten im Freien ab – die beste Zeit für die Radtour. Im August feiert die Stadt ihr großes Stadtfest am Fluss. Der Dezember hat mit dem Striezelmarkt, urkundlich seit 1434 und damit einer der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands, einen eigenen Reiz; rechnen Sie dann mit Kälte und vollen Hotels an den Adventswochenenden.

Übernachten

Für den ersten Besuch ist die Altstadt rund um Neumarkt und Schlossplatz die naheliegende Wahl: alle Kernpunkte fußläufig, abends angenehm ruhig. Wer lieber dort wohnt, wo abends etwas los ist, bucht in der Äußeren oder Inneren Neustadt und läuft morgens über die Brücke. Das Preisniveau liegt spürbar unter dem von München oder Hamburg – eine kuratierte Auswahl finden Sie unter günstige Hotels in Dresden, weitere Informationen auf der Seite zum Reiseziel Dresden und die gesamte Auswahl unter Hotels in Deutschland.