Wenn Ende November die ersten Buden öffnen, beginnt in deutschen Innenstädten die dichteste Reisesaison des Winters. Weihnachtsmärkte gibt es in fast jeder Stadt – doch eine Handvoll Märkte hebt sich durch Geschichte, Kulisse und Spezialitäten so deutlich ab, dass sie eine eigene Städtereise rechtfertigen. Der Nürnberger Christkindlesmarkt und der Dresdner Striezelmarkt streiten seit Jahrzehnten um den Rang des berühmtesten Marktes des Landes; Köln, Stuttgart und München haben ihre eigenen, sehr unterschiedlichen Antworten auf die Frage gefunden, wie ein Adventsbesuch aussehen sollte.

Dieser Guide stellt die fünf lohnendsten Ziele vor – mit dem, was den jeweiligen Markt tatsächlich unterscheidet, einer Vergleichstabelle mit ungefähren Terminen und praktischen Hinweisen: von der Frage, an welchen Tagen es sich am besten bummelt, bis zur rechtzeitigen Hotelbuchung, die im Advent über den Reisepreis entscheidet. Alle fünf Ziele funktionieren als Wochenendreise mit der Bahn – und lassen sich, wer mag, sogar zu einer winterlichen Städtetour verbinden.

Nürnberger Christkindlesmarkt: der Klassiker

Kein deutscher Weihnachtsmarkt ist international bekannter. Eröffnet wird der Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt traditionell am Freitag vor dem ersten Advent, wenn das Nürnberger Christkind – eine für zwei Jahre gewählte junge Nürnbergerin – vom Balkon der Frauenkirche den feierlichen Prolog spricht. Darunter drängen sich rund 180 rot-weiß gedeckte Buden, deren Sortiment strengen Regeln unterliegt: Plastikgirlanden und Dauerbeschallung sucht man hier vergeblich. Gleich nebenan erweitern zwei kleinere Märkte das Angebot: der Markt der Partnerstädte, auf dem Nürnbergs internationale Partnerkommunen von Glasgow bis Shenzhen eigene Stände betreiben, und die Kinderweihnacht auf dem Hans-Sachs-Platz mit historischem Karussell. Sehenswert ist außerdem das Männleinlaufen: Täglich um zwölf Uhr mittags drehen die Kurfürstenfiguren der Frauenkirchen-Uhr ihre Runde um Kaiser Karl IV.

Was Sie probieren sollten

Kulinarisch führt kein Weg an zwei Klassikern vorbei: den Elisenlebkuchen, deren Teig kaum Mehl, dafür umso mehr Nüsse enthält, und den Original Nürnberger Rostbratwürsten, die es am Markt als „Drei im Weggla" – drei Würste im Brötchen – gibt. Als Mitbringsel haben die Zwetschgenmännle Tradition: kleine Figuren aus getrockneten Pflaumen und Feigen, die es in Nürnberg seit dem 18. Jahrhundert gibt. Wer den Trubel kurz hinter sich lassen will, steigt in zehn Minuten zur Kaiserburg hinauf – der Blick über die verwinkelten Dächer der Altstadt gehört zu den besten Momenten eines Nürnberg-Besuchs im Advent. Elisenlebkuchen kaufen Sie übrigens am besten direkt bei einer der traditionsreichen Lebküchnereien der Stadt – frisch verpackt überstehen sie die Heimreise problemlos und halten sich bis weit ins neue Jahr.

Kaiserburg über den Dächern der Nürnberger Altstadt
Die Kaiserburg über der Altstadt – zehn Gehminuten vom Christkindlesmarkt entfernt

Dresdner Striezelmarkt: der älteste

Dresden hält den Rekord: Der Striezelmarkt auf dem Altmarkt ist seit 1434 urkundlich belegt und gilt damit als ältester dokumentierter Weihnachtsmarkt Deutschlands. Sein Name leitet sich vom „Strüzel" ab, dem Vorläufer des Dresdner Christstollens, der bis heute das Herz des Marktes bildet. Zwischen den Buden steht die mit gut 14 Metern höchste erzgebirgische Stufenpyramide der Welt; Schwibbögen, Herrnhuter Sterne und Holzkunst aus dem Erzgebirge prägen das Bild stärker als auf jedem anderen Großstadtmarkt. Rund 230 Stände verteilen sich über den Platz; dazwischen dreht sich ein historisches Riesenrad, und für Kinder gibt es ein eigenes Märchenhaus mit täglichem Programm.

Stollenfest und Pflaumentoffel

Höhepunkt ist das Stollenfest am Samstag vor dem zweiten Advent: Ein tonnenschwerer Riesenstollen wird im Festzug durch die Altstadt zum Markt gefahren und dort mit einem überdimensionalen Messer angeschnitten und verkauft. Typisch Dresdner ist außerdem der Pflaumentoffel, ein kleiner Schornsteinfeger aus gebackenen Pflaumen, der als Glücksbringer verschenkt wird. Kombinieren lässt sich der Marktbesuch gut mit Frauenkirche, Zwinger und einem Abendspaziergang über die Brühlsche Terrasse. Wem der Altmarkt zu voll wird, der weicht in den Stallhof des Residenzschlosses aus: Dort öffnet ein mittelalterlich gestalteter Markt mit Handwerksvorführungen und am Feuer erhitztem Met – einer der stimmungsvollsten Nebenschauplätze des Dresdner Advents. Musikalisch bildet die Christvesper des Kreuzchores in der Kreuzkirche den traditionellen Abschluss der Saison.

Kölner Weihnachtsmärkte: die Vielfalt

Köln setzt nicht auf einen Markt, sondern auf ein halbes Dutzend, die sich zu Fuß verbinden lassen. Das prägendste Bild liefert der Markt am Dom: Unter der beleuchteten Doppelturmfassade der Kathedrale stehen die Buden um eine große Bühne mit täglichem Musikprogramm – kaum ein anderer deutscher Markt hat eine vergleichbare Kulisse.

Vom Dom bis zum Hafen

Wenige Minuten südlich lohnt der Hafen-Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum: maritim dekoriert, mit Blick auf den Rhein und spürbar entspannter als die Innenstadtmärkte. Dazwischen liegen der Heinzelmännchen-Markt in der Altstadt zwischen Alter Markt und Heumarkt sowie der „Markt der Engel" am Neumarkt. Kulinarisch gehören Reibekuchen mit Apfelmus und eine Feuerzangenbowle zum Kölner Adventsprogramm; wer mag, wärmt sich zwischendurch in einem Brauhaus bei einem Kölsch auf. Der Name des Altstadtmarkts geht übrigens auf die Kölner Sage von den Heinzelmännchen zurück, jenen nächtlichen Helfern, die den Bürgern einst die Arbeit abnahmen – auf dem Markt tauchen ihre Figuren an vielen Buden wieder auf. Wer in Ruhe schauen will, kommt gleich zur Öffnung am späten Vormittag: Ab dem frühen Abend gehört der Markt am Dom zu den meistbesuchten des Landes.

Stuttgarter Weihnachtsmarkt: die geschmückten Dächer

Stuttgart betreibt einen der größten Weihnachtsmärkte Europas – erstmals erwähnt im Jahr 1692 – und hat dabei eine Besonderheit, die man erst auf den zweiten Blick würdigt: Die knapp 300 Standbetreiber wetteifern jedes Jahr um das am aufwendigsten dekorierte Budendach. Die Ergebnisse reichen von kompletten Winterlandschaften über lebensgroße Figuren bis zu beweglichen Szenen; ein Rundgang mit Blick nach oben ist fest einzuplanen. Der Markt erstreckt sich vom Schlossplatz über den Schillerplatz bis zum Marktplatz, dazu kommen ein Antikmarkt und ein finnisches Weihnachtsdorf.

Schlossplatz in Stuttgart mit Neuem Schloss
Der Schlossplatz mit dem Neuen Schloss – im Advent Auftakt des Stuttgarter Weihnachtsmarkts

Schwäbische Spezialitäten unterscheiden das Angebot von den fränkischen und sächsischen Konkurrenten: Neben gebrannten Mandeln finden Sie hier Hutzelbrot, Maultaschen und Schupfnudeln vom Stand. Vor der historischen Kulisse von Altem Schloss und Stiftskirche wirkt der Markt trotz seiner Größe erstaunlich geordnet. An den Adventsabenden finden im Arkadenhof des Alten Schlosses kostenlose Konzerte statt. Und wer einen Tag anhängen kann, fährt mit der S-Bahn ins nahe Esslingen am Neckar, dessen Mittelaltermarkt mit Gauklern und historischem Handwerk ein eigenes Publikum hat.

Münchner Christkindlmarkt: Advent am Marienplatz

Der Münchner Christkindlmarkt füllt den Marienplatz direkt vor dem neugotischen Neuen Rathaus, dessen beleuchtete Fassade zusammen mit dem großen Christbaum das Bild bestimmt. Werktags um 17.30 Uhr erklingt vom Rathausbalkon Adventsmusik – ein kurzer, unaufgeregter Programmpunkt, der gut zur Stadt passt. Sehenswert ist der angeschlossene Kripperlmarkt, einer der größten Krippenmärkte Deutschlands, auf dem Figuren, Ställe und Zubehör in allen Preislagen verkauft werden. Die Wurzeln des Marktes reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück – als Nikolausmarkt ist er seit 1310 belegt –, an seinem heutigen Standort auf dem Marienplatz findet er seit 1972 statt.

Einen Kontrapunkt setzt der Krampuslauf: An mehreren Adventssonntagen ziehen rund 300 Gestalten in geschnitzten Masken und Fellkostümen nach alpenländischer Tradition über den Markt – laut, wild und nichts für sehr kleine Kinder, aber ein Spektakel, das es in dieser Form auf keinem anderen deutschen Großstadtmarkt gibt. Wer mehr Zeit mitbringt, findet in München zudem Dutzende Stadtteilmärkte, vom Sendlinger bis zum Haidhauser Markt. Eine Alternative mit anderem Charakter ist das Tollwood-Winterfestival auf der Theresienwiese: Kunsthandwerk, internationale Küche und Kulturprogramm in beheizten Zelten, geöffnet bis nach Silvester. Wer nach dem Marktbesuch Bewegung braucht, findet am Karlsplatz eine Freiluft-Eisbahn.

Termine, Vergleich und Tipps

Die genauen Termine stehen jedes Jahr erst im Sommer fest; als Faustregel öffnen die großen Märkte Ende November und schließen am 23. oder 24. Dezember. Wer mehrere Märkte verbinden will: Nürnberg und München liegen gut eine Zugstunde auseinander, auch Stuttgart ist von München aus in gut zwei Stunden erreichbar; Dresden und Köln verlangen dagegen eigene Anreisen. Die Tabelle fasst die Eckdaten zusammen.

StadtZeitraum (ca.)Typische SpezialitätReiseziel
NürnbergEnde November – 24. DezemberElisenlebkuchen, „Drei im Weggla"Hotels in Nürnberg
DresdenEnde November – 24. DezemberDresdner Christstollen, PflaumentoffelHotels in Dresden
KölnEnde November – 23. DezemberReibekuchen, FeuerzangenbowleHotels in Köln
StuttgartEnde November – 23. DezemberHutzelbrot, MaultaschenHotels in Stuttgart
MünchenEnde November – 24. DezemberGebrannte Mandeln, Kripperlmarkt-FigurenHotels in München

Der richtige Zeitpunkt

Die Adventswochenenden sind auf allen fünf Märkten voll – in Nürnberg und Köln teils so voll, dass vom Bummeln wenig übrig bleibt. Deutlich entspannter sind Dienstag bis Donnerstag, ideal am späten Nachmittag: Dann ist die Beleuchtung bereits an, aber der Feierabendandrang noch nicht da. Wer nur am Wochenende kann, weicht auf den Vormittag aus und plant Museen oder Kirchen für die vollen Nachmittagsstunden ein.

Glühwein mit Pfand

An praktisch allen Ständen zahlen Sie auf die Tasse ein Pfand von ca. 2–5 €. Die jährlich wechselnden Sammeltassen mit Stadtmotiv dürfen Sie behalten – dann verfällt schlicht das Pfand – oder am Stand zurückgeben. Zum Standardangebot kommen regionale Varianten wie der Nürnberger Heidelbeerglühwein oder weißer Glühwein; alkoholfreier Punsch steht inzwischen überall auf der Karte. Rechnen Sie außerdem mit Barzahlung an kleineren Buden; nicht jeder Stand akzeptiert Karten.

Anreise und Ausrüstung

Alle fünf Städte erreichen Sie bequem mit dem Fernverkehr; die Märkte liegen jeweils nur wenige Geh- oder Bahnminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Verzichten Sie im Advent möglichst aufs Auto – die Innenstadtparkhäuser sind an den Wochenenden regelmäßig belegt. Und unterschätzen Sie die Kälte nicht: Ein Marktbummel dauert schnell zwei bis drei Stunden im Stehen, gefütterte Schuhe und Handschuhe machen dabei mehr Unterschied als jede zweite Tasse Glühwein. Die stimmungsvollste Stunde beginnt überall mit der Dämmerung gegen halb fünf, wenn die Beleuchtung übernimmt und die Kirchtürme als Silhouetten stehen bleiben.

Stayhaus-Tipp: Buchen Sie Ihr Hotel für den Advent spätestens im Oktober. In Nürnberg und Dresden sind zentrale Häuser an den Adventswochenenden oft Monate im Voraus ausgebucht, und die Preise steigen zum Dezember hin deutlich – wer früh bucht, zahlt teils die Hälfte.

Übernachten in den Weihnachtsstädten

Kurze Wege zählen im Advent doppelt: Wer zentral wohnt, kann abends ohne Bahnfahrt über den Markt gehen und morgens vor den Tagesgästen dort sein. In Nürnberg lohnen Unterkünfte innerhalb des Altstadtrings, in Dresden die Innere Altstadt und Neustadt, in Köln das Umfeld von Dom und Altstadt. Für Stuttgart empfiehlt sich die Innenstadt rund um den Schlossplatz, in München alles im Umkreis von Marienplatz und Hauptbahnhof. Einen Gesamtüberblick mit Filtern nach Preis und Lage bietet unsere Hotelübersicht. Preislich lohnt der Blick auf die Wochentage: Übernachtungen von Sonntag auf Montag oder unter der Woche sind im Advent oft deutlich günstiger als die klassischen Freitag- und Samstagnächte.

Praktische Informationen

  • Saison: Die großen Märkte öffnen um den Freitag vor dem ersten Advent und schließen am 23. oder 24. Dezember, meist am frühen Nachmittag des letzten Tages.
  • Öffnungszeiten: in der Regel täglich ca. 10–21 Uhr; die genauen Zeiten veröffentlichen die Städte im Herbst.
  • Eintritt: Alle fünf vorgestellten Märkte sind kostenlos zugänglich.
  • Budget: Glühwein ca. 4–6 € plus Pfand von ca. 2–5 €; Imbiss am Stand ca. 5–12 €.
  • Anreise: Alle fünf Städte haben Fernbahnhöfe in Marktnähe; im Advent ist die Bahn dem Auto vorzuziehen, da Innenstadtparkhäuser an Wochenenden voll sind.
  • Beste Besuchszeit: Dienstag bis Donnerstag am späten Nachmittag; Adventswochenenden möglichst meiden.
  • Mit Kindern: Nürnberg (Kinderweihnacht), Dresden (Märchenhaus) und Stuttgart bieten eigene Kinderbereiche mit Karussells und Mitmachprogramm.
  • Hotelbuchung: spätestens im Oktober; Wochenendtermine in Nürnberg und Dresden noch früher.