Köln macht es Besuchern leicht: Wer den Hauptbahnhof verlässt, steht nach wenigen Schritten vor der Westfassade des Doms – ein Auftakt, den keine andere deutsche Großstadt bieten kann. Die 2.000 Jahre alte Römerstadt am Rhein ist keine Schönheit im klassischen Sinn; der Wiederaufbau nach 1945 war pragmatisch, nicht elegant. Dafür hat Köln etwas, das sich nicht bauen lässt: eine Alltagskultur aus Brauhäusern, Vierteln und rheinischer Gelassenheit, die Besucher schneller einbezieht als fast jede andere Stadt des Landes.

Dieser Guide führt Sie vom Dom über das Ritual des Kölsch bis in die Viertel westlich des Zentrums – und einmal quer durch die berühmteste Stadtrivalität Deutschlands, mit einem Tagesausflug nach Düsseldorf. Einen Überblick über alle Unterkünfte finden Sie auf unserer Seite Köln.

Der Kölner Dom: 632 Jahre Bauzeit

Baubeginn 1248, Fertigstellung 1880: Kaum ein Bauwerk erzählt so viel europäische Geschichte wie die Hohe Domkirche St. Petrus, seit 1996 UNESCO-Welterbe. Mit 157 Metern Turmhöhe war der Dom nach seiner Vollendung kurzzeitig das höchste Gebäude der Welt, und bis heute dominiert er jede Stadtansicht – auch, weil keine Neubauten in der Innenstadt ihn überragen dürfen. Der Eintritt in das Kirchenschiff ist frei; nehmen Sie sich Zeit für die mittelalterlichen Glasfenster und das 2007 eingeweihte Richter-Fenster im Südquerhaus, dessen 11.500 Farbquadrate wie ein digitales Rauschen wirken.

Dass zwischen Grundsteinlegung und Vollendung mehr als sechs Jahrhunderte lagen, hatte vor allem finanzielle Gründe: Im späten Mittelalter erlahmte der Bau, und der hölzerne Domkran auf dem Südturmstumpf prägte rund 400 Jahre lang die Silhouette der Stadt. Erst die Begeisterung der Romantik für das Mittelalter und preußisches Geld brachten das Projekt im 19. Jahrhundert zum Abschluss – nach den originalen Plänen von 1280.

Die Turmbesteigung

Rund 533 Stufen führen über eine enge Wendeltreppe auf die Aussichtsplattform des Südturms in etwa 97 Metern Höhe. Der Aufstieg kostet je nach Ermäßigung ca. 4–8 € und ist nichts für Menschen mit Platzangst, belohnt aber mit einem Blick über Rhein, Altstadt und – bei klarem Wetter – bis ins Bergische Land. Auf halber Höhe passieren Sie die Glockenstube mit dem „Decken Pitter", der St. Petersglocke von 1923: Mit rund 24 Tonnen ist sie eine der größten frei schwingenden Glocken der Welt.

Der Dreikönigenschrein

Hinter dem Hochaltar steht der eigentliche Grund, warum es diesen Dom überhaupt gibt: der Dreikönigenschrein, um 1190 bis 1225 in der Werkstatt des Nikolaus von Verdun geschaffen. Der goldene Reliquienschrein für die Gebeine der Heiligen Drei Könige – 1164 aus Mailand nach Köln gebracht – ist die größte erhaltene Goldschmiedearbeit des Mittelalters und machte die Stadt zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas. Die gotische Kathedrale wurde errichtet, um diesem Schrein einen würdigen Rahmen zu geben. Nur einmal im Jahr, am Dreikönigstag am 6. Januar, wird die Stirnseite des Schreins geöffnet und gibt den Blick auf die Reliquien frei.

Brauhauskultur: das Ritual des Kölsch

Kölsch ist nicht einfach ein Bier, sondern ein geschützter Begriff und ein soziales Regelwerk. Ausgeschenkt wird es ausschließlich in der Stange, einem schlanken 0,2-Liter-Glas – so bleibt es frisch, und genau darin liegt das System: Der Köbes, der traditionell blau gekleidete Kellner, bringt ungefragt eine neue Stange, sobald Ihre leer ist, und zieht für jede einen Bleistiftstrich auf den Bierdeckel. Bestellt wird nicht, gezählt wird am Ende. Wollen Sie aufhören, legen Sie den Deckel auf das Glas – das ist das allgemein verstandene Signal. Der raue Charme des Köbes gehört zum Erlebnis; wer schlagfertig kontert, hat schnell einen Verbündeten. Getragen werden die Stangen übrigens im Kranz, einem runden Gestell mit Griff, das der Köbes durch die Stuben balanciert. Und eine Grundregel gilt überall: Kölsch trinkt man frisch – eine Stange, die länger steht, gilt als verloren.

Dazu isst man rheinisch-deftig: den Halven Hahn (ein Roggenbrötchen mit mittelaltem Gouda – kein Hähnchen, der Name ist Kölns liebster Scherz mit Auswärtigen), Himmel un Ääd (Blutwurst mit Kartoffelpüree und Apfelmus) oder Rheinischen Sauerbraten. Vier Klassiker im Vergleich:

BrauhausLageCharakter
Früh am DomAm Hof, direkt am DomWeitläufiges Traditionshaus mit verwinkelten Stuben; touristisch, aber zu Recht ein Klassiker
PäffgenFriesenstraße, FriesenviertelKölsch ungefiltert aus dem Holzfass, gebraut im Haus; viel Stammpublikum, keine Kompromisse
Gaffel am DomBahnhofsvorplatz, Nähe HauptbahnhofGroß, modern und lebhaft; ein guter erster Kontakt mit dem Ritual
Peters BrauhausMühlengasse, AltstadtPrächtige Kassettendecke, gemütlicher als die großen Häuser, solide rheinische Küche

Stayhaus-Tipp: Gehen Sie ins Päffgen möglichst vor 18 Uhr, sonst wird es eng – reserviert wird traditionell nicht. Und legen Sie den Bierdeckel erst dann auf die Stange, wenn Sie wirklich fertig sind: Ein halbherziges „vielleicht noch eins" versteht der Köbes grundsätzlich als Ja.

Drei Museen, drei Welten

Kölns Museumslandschaft ist kompakt: Alle drei folgenden Häuser liegen im oder am Rand des Zentrums, keines ist mehr als 20 Gehminuten vom Dom entfernt. Montags sind die meisten Häuser geschlossen; für einen dichten Museumstag lohnt der Blick auf Kombitickets und die KölnCard, die auch den Nahverkehr einschließt.

Museum Ludwig

Direkt hinter dem Dom versammelt das Museum Ludwig eine der wichtigsten Sammlungen moderner Kunst in Europa: die größte Pop-Art-Sammlung außerhalb der USA mit Warhol und Lichtenstein, eine der umfangreichsten Picasso-Bestände weltweit und deutsche Expressionisten von Kirchner bis Beckmann. Planen Sie zwei bis drei Stunden ein; der Eintritt liegt bei ca. 9–13 €.

Schokoladenmuseum

Im Rheinauhafen, gut 15 Gehminuten südlich der Altstadt, zeigt das 1993 vom Kölner Schokoladenfabrikanten Hans Imhoff gegründete Museum die Kulturgeschichte des Kakaos – vom Handelsgut der Maya bis zur gläsernen Produktionsanlage. Der drei Meter hohe Schokoladenbrunnen, an dem Waffeln in warme Schokolade getaucht werden, ist der erwartbare Publikumsliebling. Mit Kindern die verlässlichste Adresse der Stadt; Eintritt ca. 12–16 €.

Römisch-Germanisches Museum

Das CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium – war eine der bedeutendsten Städte des römischen Nordens, und das Römisch-Germanische Museum verwahrt ihre Hinterlassenschaften, allen voran das Dionysos-Mosaik aus dem 3. Jahrhundert, das 1941 beim Bau eines Luftschutzbunkers entdeckt wurde. Das Stammhaus an der Domplatte wird derzeit umfassend saniert; eine Auswahl der wichtigsten Stücke ist währenddessen im Belgischen Haus am Neumarkt zu sehen. Prüfen Sie vor dem Besuch die aktuelle Lage.

Rheinufer, Hohenzollernbrücke und der Blick von Deutz

Die Kölner Postkartenansicht – Dom, Groß St. Martin und die bunten Giebelhäuser der Altstadt – zeigt sich nicht vom linken, sondern vom rechten Rheinufer. Gehen Sie über die Hohenzollernbrücke hinüber: Die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands, über die täglich weit mehr als tausend Züge rollen, trägt an ihren Gittern hunderttausende Liebesschlösser; der Fußweg auf der Südseite ist frei zugänglich. Drüben in Deutz führt der Rheinboulevard mit seiner breiten Freitreppe direkt ans Wasser – am frühen Abend sitzt hier halb Köln und schaut zu, wie die Sonne hinter dem Dom untergeht.

Wer höher hinaus will, fährt im benachbarten KölnTriangle mit dem Aufzug auf die Aussichtsplattform in gut 100 Metern (Eintritt ca. 5–8 €). Der entscheidende Vorteil gegenüber der Turmbesteigung im Dom: Von hier sehen Sie den Dom selbst im Panorama – das beste Stadtbild, das Köln zu bieten hat. Zurück am linken Ufer lohnt der Spaziergang durch den Rheingarten zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke, vorbei an Groß St. Martin in die Gassen der Altstadt. Groß St. Martin, die mächtigste der zwölf romanischen Kirchen Kölns, lohnt dabei einen kurzen Blick ins Innere – ihr Vierungsturm prägte die Stadtansicht schon Jahrhunderte vor der Vollendung des Doms. Und wer die Perspektive noch einmal wechseln will, schwebt weiter nördlich mit der Kölner Seilbahn von 1957 zwischen Zoo und Rheinpark über den Fluss.

Belgisches Viertel und Ehrenfeld

Westlich der Ringe beginnt das Köln der Kölner. Das Belgische Viertel rund um den Brüsseler Platz – die Straßen tragen Namen belgischer Städte – ist das Quartier für inhabergeführte Boutiquen, Weinbars und Cafés in gründerzeitlichen Fassaden, die den Krieg überstanden haben. An warmen Abenden wird der Platz vor der Kirche St. Michael zum informellen Wohnzimmer des Viertels. Vom Rudolfplatz oder der Station Moltkestraße sind Sie mit der Stadtbahn in wenigen Minuten dort.

Noch ein Stück weiter draußen liegt Ehrenfeld, erreichbar mit den Stadtbahnlinien 3 und 4 oder der S-Bahn. Das frühere Arbeiter- und Industrieviertel rund um die Venloer Straße ist heute die vielfältigste Ecke der Stadt: türkische Bäckereien neben Plattenläden, Streetart an den Wänden der Seitenstraßen – die Körnerstraße ist die bekannteste –, dazu Konzerträume in ehemaligen Fabrikhallen im Schatten des Heliosturms. Wer verstehen will, wohin sich Köln entwickelt, verbringt hier einen Nachmittag.

Köln oder Düsseldorf? Ein Tagesausflug zur Konkurrenz

Kaum eine deutsche Stadtrivalität wird so gepflegt wie die zwischen Köln und Düsseldorf – im Karneval, im Fußball und vor allem im Bierglas: hier das helle, obergärige Kölsch, dort das dunkle Altbier. Der Streit ist Folklore mit ernstem Unterton, und gerade deshalb lohnt der Vergleich vor Ort. Regionalexpress-Linien wie RE 1, RE 5 und RE 6 verbinden die Hauptbahnhöfe in etwa 25 bis 30 Minuten; das Deutschlandticket gilt.

Der Medienhafen in Düsseldorf mit den geschwungenen Gehry-Bauten
Düsseldorfs Medienhafen: Die drei Gehry-Bauten am Neuen Zollhof sind das Wahrzeichen des umgebauten Hafens.

In Düsseldorf angekommen, führt der klassische Rundgang durch die Altstadt – die „längste Theke der Welt" mit Hausbrauereien wie dem Uerige, wo der Köbes hier ganz ähnlich funktioniert wie in Köln, nur eben mit Alt im Becherglas – weiter über die Rheinuferpromenade zum Medienhafen. Dort stehen die drei geschwungenen Gehry-Bauten am Neuen Zollhof, daneben ragt der Rheinturm 240 Meter auf. Wer mag, nimmt noch die Königsallee mit, Deutschlands bekannteste Einkaufsstraße. Mehr zur Stadt finden Sie auf unserer Seite Düsseldorf. Und welches Bier gewinnt? Das entscheiden Sie am besten empirisch – in beiden Städten.

Übernachten in Köln

Für Erstbesucher ist die Altstadt zwischen Dom und Heumarkt die naheliegende Wahl: kurze Wege, aber abends belebt und selten günstig. Ruhiger und mit dem besten Blick auf das Panorama wohnen Sie in Deutz auf der rechten Rheinseite – praktisch auch für Messebesucher. Das Belgische Viertel punktet mit kleinen, individuellen Häusern, Ehrenfeld mit moderaten Preisen und guter Bahnanbindung. Beachten Sie: Während der großen Messen und rund um den Karneval ziehen die Preise stadtweit deutlich an.

Eine aktuelle Auswahl preiswerter Häuser zeigt unsere Übersicht der günstigen Hotels in Köln; wer es komfortabler mag, findet mehrere Adressen mit Dom- oder Rheinblick unter den 5-Sterne-Hotels in Köln. Alle Unterkünfte im Vergleich bündelt unsere Hotelübersicht.

Praktische Informationen

Anreise

Bequemer geht es kaum: Der Kölner Hauptbahnhof liegt unmittelbar neben dem Dom. Mit dem ICE erreichen Sie Köln aus Frankfurt am Main über die Schnellfahrstrecke in etwa 1 Stunde 10 Minuten, aus Berlin in gut 4 Stunden; internationale Züge verbinden die Stadt direkt mit Brüssel, Paris und Amsterdam. Der Flughafen Köln/Bonn liegt südöstlich der Stadt, die S-Bahn (Linie S19) und Regionalexpress-Züge bringen Sie in rund 15 Minuten zum Hauptbahnhof. Wer mit dem Auto anreist, sollte Umweltzone und knappe Innenstadtparkplätze einkalkulieren; Hotelgaragen kosten meist einen spürbaren Aufschlag.

Nahverkehr

Die Stadtbahnen der KVB – teils unterirdisch, teils als Straßenbahn – erschließen alle genannten Viertel; es gilt der VRS-Tarif, und für einen Städtetrip reicht meist eine Tageskarte. Die Innenstadt zwischen Dom, Altstadt und Neumarkt erkunden Sie ohnehin am besten zu Fuß: Vom Dom zum Schokoladenmuseum sind es kaum 20 Minuten am Rhein entlang.

Beste Reisezeit

Von April bis Oktober zeigt sich das Rheinufer von seiner besten Seite, Sommerabende auf dem Rheinboulevard eingeschlossen. Eine Kategorie für sich ist der Karneval: Ab Weiberfastnacht im Februar oder März regiert fünf Tage lang der Ausnahmezustand – ein einmaliges Erlebnis für alle, die Trubel suchen, und der beste Zeitraum, die Stadt zu meiden, für alle anderen. Auch der 11.11. um 11.11 Uhr, die Sessionseröffnung, füllt die Innenstadt. Im Advent gehören die Weihnachtsmärkte, allen voran der am Dom, zu den stimmungsvollsten des Landes.