Hamburg lässt sich schlecht auf einen Nenner bringen: Handelsstadt, Hafenstadt, Musikstadt – und eine Stadt, die mit rund 2.500 Brücken mehr Wasserüberquerungen zählt als Venedig und Amsterdam zusammen. Für ein Wochenende ist das eine gute Nachricht, denn die wichtigsten Orte liegen dicht beieinander: Zwischen Speicherstadt und Reeperbahn liegen keine drei Kilometer, vom Rathaus zur Elbphilharmonie gehen Sie kaum zwanzig Minuten. Wer die Wege klug legt, sieht in 48 Stunden erstaunlich viel, ohne zu hetzen.
Dieser Guide bündelt die Erfahrung vieler Hamburg-Wochenenden zu einem konkreten Plan: mit dem UNESCO-Welterbe Speicherstadt, einer Hafenrundfahrt zum Preis eines Busfahrscheins, dem Fischmarkt am frühen Sonntagmorgen und einer ehrlichen Einschätzung, in welchem Viertel Sie am besten übernachten. Einen Überblick über das Reiseziel mit allen Unterkünften finden Sie auf unserer Seite Hamburg.
Speicherstadt und HafenCity: vom Backstein zum Beton
Die Speicherstadt ist der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt, gebaut zwischen 1883 und 1927 auf Eichenpfählen im Wasser. Kaffee, Tee, Gewürze und Orientteppiche wurden hier über ein Jahrhundert lang zollfrei gelagert; seit 2015 gehört das Ensemble zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus zum UNESCO-Welterbe. Der bekannteste Blick ist der auf das Wasserschloss am Holländischbrookfleet – am besten früh morgens, wenn noch keine Reisegruppen unterwegs sind, oder in der Dämmerung, wenn die Fassaden angestrahlt werden. Wer mit Kindern reist oder Technik mag, plant zusätzlich das Miniatur Wunderland am Kehrwieder ein; ein Zeitfenster sollten Sie vorab online reservieren, an Wochenenden ist der Andrang groß.
Auf der Stadtseite schließt das Kontorhausviertel an, dessen Klinkerbauten aus den 1920er-Jahren gemeinsam mit der Speicherstadt zum Welterbe gehören. Herausragend ist das Chilehaus von Fritz Höger, dessen Ostspitze wie ein Schiffsbug über die Straßenkreuzung ragt – eines der wichtigsten Zeugnisse des Backsteinexpressionismus und ein lohnender Umweg von zehn Minuten.
Direkt südlich schließt die HafenCity an, Europas größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsgebiet. Zwischen Magellan-Terrassen, Traditionsschiffhafen und dem Überseequartier lässt sich gut beobachten, wie eine Stadt sich neues Terrain am Wasser erschließt – mit allem Für und Wider moderner Architektur. Der Kontrast zum Backstein der Speicherstadt ist gewollt und macht den Reiz des Spaziergangs aus.
Die Plaza der Elbphilharmonie
Am westlichen Ende der HafenCity steht seit 2017 die Elbphilharmonie auf dem Sockel des alten Kaispeichers A. Konzertkarten sind oft Monate im Voraus vergriffen, aber die Plaza in 37 Metern Höhe ist öffentlich zugänglich: Der Rundgang um das gesamte Gebäude ist mit einem Zeitfenster-Ticket kostenlos, das Sie an den Automaten vor Ort ziehen oder gegen eine geringe Gebühr vorab online reservieren können. Der Blick reicht über Hafenkräne, Docks und Elbe bis zum Michel – gerade bei tief stehender Sonne einer der besten Aussichtspunkte der Stadt.
Stayhaus-Tipp: Reservieren Sie das Plaza-Zeitfenster online für den späten Nachmittag. Sie erleben den Hafen erst im Tageslicht und dann in der Dämmerung, wenn die Kräne und Schiffe beleuchtet sind – zwei Panoramen zum Preis von einem Besuch.
Landungsbrücken und die Fähre 62: Hafenrundfahrt zum Bus-Tarif
Zu den Landungsbrücken fahren Sie am besten mit der U3: Zwischen den Stationen Baumwall und Landungsbrücken verläuft die Linie als Hochbahn direkt am Hafenrand entlang – die schönste U-Bahn-Strecke Deutschlands, und sie kostet nur einen normalen Fahrschein. Die Anlegestellen von 1907 mit ihrem Pegelturm sind der klassische Ausgangspunkt für alles, was auf dem Wasser stattfindet. Sehenswert ist auch der Alte Elbtunnel von 1911, dessen Röhren Sie zu Fuß kostenlos unterqueren können.
Kommerzielle Barkassenfahrten haben ihren Reiz, aber es gibt eine günstigere Variante: die HVV-Fähre der Linie 62 nach Finkenwerder. Sie ist Teil des öffentlichen Nahverkehrs, ein normales HVV-Ticket genügt. Die Fähre legt etwa alle Viertelstunde ab und hält unter anderem am Fischmarkt, am Bürogebäude Dockland – dessen frei zugängliche Dachterrasse einen Abstecher lohnt – und in Neumühlen/Övelgönne mit Museumshafen und Elbstrand. Vom Oberdeck aus sehen Sie Containerterminals, Trockendocks und die Elbphilharmonie aus der Wasserperspektive; hin und zurück dauert die Runde knapp eine Stunde. Wer mag, steigt in Övelgönne aus, trinkt einen Kaffee am Strandcafé und geht am Elbstrand zurück Richtung Altona.
Der Michel und das Portugiesenviertel
Wenige Gehminuten landeinwärts erhebt sich die Hauptkirche St. Michaelis, von allen nur „Michel" genannt – Hamburgs bedeutendster Barockbau und das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Die Aussichtsplattform im 132 Meter hohen Turm erreichen Sie per Aufzug oder Treppe (ca. 6–9 €); der Blick über Hafen und Innenstadt ergänzt die Plaza-Perspektive um die klassische Postkartenansicht. Zwischen Michel und Landungsbrücken liegt das Portugiesenviertel: In den schmalen Straßen um die Ditmar-Koel-Straße reihen sich portugiesische und spanische Cafés und Fischrestaurants – gut für einen Galão am Nachmittag oder gegrillten Fisch am Abend, und deutlich entspannter als die Gastronomie direkt an den Brücken.
St. Pauli und Sternschanze: mehr als die Reeperbahn
Die Reeperbahn ist 930 Meter lang und seit dem 19. Jahrhundert das Vergnügungsviertel der Hafenstadt. Wer sie nur als Ansammlung von Neonreklame abtut, verpasst den Kern: St. Pauli ist eines der wichtigsten Musikviertel Europas. Die Beatles spielten sich 1960 bis 1962 in den Clubs an der Großen Freiheit die Finger wund, bevor sie berühmt wurden; heute stehen Häuser wie das Molotow oder der Mojo Club für eine lebendige Clubszene abseits des Junggesellenabschieds-Publikums. Tagsüber wirkt die Meile ernüchternd – gehen Sie abends, werfen Sie einen Blick auf die Davidwache am Spielbudenplatz, die kleinste und wohl bekannteste Polizeiwache Deutschlands, und suchen Sie sich ein Konzert statt einer Show.
Einen anderen Blick auf das Viertel bietet Park Fiction oberhalb des Pinnasbergs: Die kleine Grünanlage mit ihren künstlichen Palmen wurde in den 1990er-Jahren von Anwohnern gegen Bebauungspläne durchgesetzt und gehört heute mit ihrem Hafenblick zu den beliebtesten Plätzen der Stadt für den Sonnenuntergang.
Sternschanze und Karolinenviertel
Einen S-Bahn-Halt weiter nördlich schlägt das andere Herz des Hamburger Westens. Rund um das Schulterblatt in der Sternschanze reihen sich Cafés, Bäckereien und Kneipen; die seit 1989 besetzte Rote Flora erinnert daran, dass das Viertel seine politische Vergangenheit nicht abgelegt hat. Im angrenzenden Karolinenviertel lohnt die Marktstraße mit inhabergeführten Läden, Vintage-Geschäften und kleinen Labels. Probieren Sie hier ein Franzbrötchen – das zimtige Plundergebäck ist Hamburgs wichtigster Beitrag zur deutschen Bäckereikultur und taugt als Frühstück wie als Wegzehrung.
Sonntagmorgen: der Fischmarkt in Altona
Seit 1703 wird am Altonaer Elbufer sonntags gehandelt, und der Fischmarkt ist bis heute keine reine Touristenveranstaltung. Von etwa 5 Uhr (im Winter ab 7 Uhr) bis gegen 9.30 Uhr verkaufen Marktschreier Aal, Obstkisten und Blumen mit einem Wortwitz, der allein den frühen Wecker rechtfertigt. In der Fischauktionshalle von 1896 spielen ab dem frühen Morgen Bands zum Frühstück – hier treffen sich durchgemachte Nachtschwärmer vom Kiez und ausgeschlafene Frühaufsteher an denselben Biertischen. Handeln gehört ausdrücklich dazu: Wer bei den Obstkisten zögert, bekommt oft noch eine zweite obendrauf, denn bis 9.30 Uhr muss die Ware vom Tisch. Dazu gehört ein Fischbrötchen: mit Matjes, Bismarckhering, Backfisch oder Nordseekrabben. Wer den Markt verpasst, bekommt ein sehr ordentliches Exemplar auch bei Brücke 10 an den Landungsbrücken.
Stayhaus-Tipp: Kommen Sie vor 8 Uhr, dann erleben Sie die Marktschreier in Bestform und finden in der Fischauktionshalle noch einen Platz. Von der Reeperbahn sind es zu Fuß nur gut zehn Minuten bergab – der Fischmarkt ist der traditionelle Schlusspunkt einer langen Kiez-Nacht.
Rathaus, Alsterarkaden und die beiden Alster

Das Rathaus von 1897 ist das Selbstbewusstsein der Hanseaten in Sandstein: 647 Räume, eine 111 Meter breite Fassade und ein Innenhof mit dem Hygieia-Brunnen, der an die Choleraepidemie von 1892 erinnert. Der Eingangsbereich und der Hof sind frei zugänglich, Führungen durch die Prunkräume finden regelmäßig statt. Direkt daneben führen die Alsterarkaden am Alsterfleet entlang zum Jungfernstieg – Hamburgs eleganteste Ecke mit Blick auf die Binnenalster und ihre Fontäne.
Die Außenalster jenseits der Lombardsbrücke ist dagegen ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt: 164 Hektar Wasserfläche, auf der bei gutem Wetter Segelboote kreuzen, und ein 7,4 Kilometer langer Uferweg, auf dem halb Hamburg joggt. Vom Jungfernstieg starten die weißen Alsterdampfer zu Rundfahrten – eine ruhige Alternative zum Trubel des Hafens und ein guter Programmpunkt für den Sonntagnachmittag. Im Sommer können Sie an mehreren Stationen Ruder- und Tretboote mieten – die Perspektive vom Wasser auf die Türme der fünf Hauptkirchen gehört zu den ruhigsten Momenten, die Hamburg zu bieten hat.
Der Fahrplan: Samstag und Sonntag im Überblick
Der folgende Plan geht davon aus, dass Sie am Freitagabend anreisen. Die Zeiten sind bewusst großzügig gesetzt – Hamburg belohnt Umwege. Wer nur einen Tag Zeit hat, kombiniert den Samstagvormittag mit dem Sonntagnachmittag – Speicherstadt, Plaza und Alster lassen sich zur Not in acht Stunden unterbringen.
| Zeit | Samstag | Sonntag |
|---|---|---|
| 8:00–10:00 | Frühstück in der Sternschanze, mit der U3 zu den Landungsbrücken | Fischmarkt in Altona, Frühstück in der Fischauktionshalle |
| 10:00–12:30 | Speicherstadt mit Wasserschloss, optional Miniatur Wunderland | Mit der Fähre 62 nach Övelgönne, Spaziergang am Elbstrand |
| 12:30–14:00 | Mittagessen in der HafenCity oder im Überseequartier | Fischbrötchen an den Landungsbrücken, Alter Elbtunnel |
| 14:00–16:30 | Elbphilharmonie-Plaza (Zeitfenster vorab buchen), Magellan-Terrassen | Rathaus, Alsterarkaden und Jungfernstieg |
| 16:30–18:30 | Fähre 62 Richtung Finkenwerder und zurück, Dachterrasse Dockland | Alsterdampfer-Rundfahrt oder Uferweg an der Außenalster |
| ab 19:00 | Abendessen und Konzert in St. Pauli, später über die Reeperbahn | Ausklang im Portugiesenviertel, danach Heimreise |
Übernachten: welches Viertel passt zu Ihnen?
Hamburg ist groß, aber die interessanten Viertel für Besucher liegen nah beieinander. Buchen Sie an Wochenenden mit Heimspielen des FC St. Pauli oder des HSV sowie zu großen Messen früh, denn dann ist die Stadt schnell ausgebucht. Entscheidend ist weniger die Entfernung als der Charakter – und der unterscheidet sich deutlich:
- HafenCity: Moderne Hotels mit Wasserblick, abends ruhig, kurze Wege zu Speicherstadt und Elbphilharmonie. Preisniveau gehoben, meist ca. 130–220 € pro Nacht.
- St. Georg: Direkt am Hauptbahnhof und an der Außenalster, große Auswahl vom einfachen Haus bis zum Traditionshotel, lebendige Lange Reihe. Meist ca. 80–160 €.
- Sternschanze: Cafés und Nachtleben vor der Tür, gut angebunden mit S-Bahn und U-Bahn, eher kleinere Häuser. Meist ca. 90–160 €.
- St. Pauli: Mittendrin im Kiez, an Wochenenden entsprechend laut – ideal für alle, die wegen der Clubs kommen. Meist ca. 80–170 €.
Wer aufs Budget achtet, wird in St. Georg und rund um die Schanze am ehesten fündig – eine aktuelle Auswahl zeigt unsere Übersicht der günstigen Hotels in Hamburg. Für besondere Anlässe lohnt der Blick auf die 5-Sterne-Hotels in Hamburg, von denen mehrere direkt an Binnenalster oder Elbe liegen. Alle Häuser im Vergleich finden Sie in unserer Hotelübersicht.
Praktische Informationen
Anreise
Mit der Bahn erreichen Sie den Hamburger Hauptbahnhof aus Berlin in rund 1 Stunde 45 Minuten, aus Frankfurt am Main in etwa 3 Stunden 40 Minuten und aus Köln in gut 4 Stunden – der Bahnhof liegt zentral, die meisten Hotels sind per U- oder S-Bahn in wenigen Minuten erreichbar. Der Flughafen Hamburg (Fuhlsbüttel) liegt nur rund 9 Kilometer nördlich der Innenstadt; die S1 bringt Sie in etwa 25 Minuten direkt zum Hauptbahnhof. Fernbusse halten am ZOB unmittelbar neben dem Hauptbahnhof.
Nahverkehr
Der HVV verbindet U-Bahn, S-Bahn, Busse und – ungewöhnlich, aber praktisch – die Hafenfähren in einem Tarif. Für ein Wochenende lohnt sich meist eine Tageskarte; auch das Deutschlandticket gilt im gesamten Netz, Fähren eingeschlossen. Die Innenstadt selbst erkunden Sie am besten zu Fuß, für die Strecken zum Hafen und in die Schanze sind U3 und S-Bahn die schnellste Wahl. Für kurze Strecken ist außerdem das Leihradsystem StadtRAD mit Stationen im gesamten Stadtgebiet eine praktische Ergänzung.
Beste Reisezeit
Am verlässlichsten ist das Wetter von Mai bis September, wenn die Außenalster und der Elbstrand ihre Stärken ausspielen. Anfang Mai feiert die Stadt den Hafengeburtstag, das größte Hafenfest der Welt – eindrucksvoll, aber mit entsprechend ausgebuchten Hotels. Im Dezember locken die Weihnachtsmärkte, allen voran der auf dem Rathausmarkt. Eine Regenjacke gehört in Hamburg allerdings zu jeder Jahreszeit ins Gepäck; das norddeutsche „Schietwetter" kann jederzeit dazwischenfunken.