Frankfurt hat ein Imageproblem, das sich bei näherem Hinsehen als Vorteil erweist: Wer nur zum Umsteigen kommt, erwartet Banktürme und Flughafenhallen – und findet eine kompakte Stadt am Fluss, in der zwischen Börse und Apfelweinkneipe kaum zwanzig Gehminuten liegen. Die Skyline, die einzige echte Hochhauskulisse Deutschlands, steht in Sichtweite von Fachwerkgiebeln, und am südlichen Mainufer reiht sich auf einem Kilometer eine Museumsdichte, die in Europa ihresgleichen sucht.

Dieser Guide zeigt, wie Sie das Beste aus einem Wochenende oder einer Zwischenübernachtung machen: vom Main Tower über die Neue Altstadt und das Museumsufer bis nach Sachsenhausen zum Apfelwein – mit zwei nützlichen Tabellen, einem ehrlichen Viertel-Vergleich fürs Übernachten und praktischen Informationen am Ende. Einen Überblick über die Stadt finden Sie auf unserer Seite zum Reiseziel Frankfurt am Main.

Mainhattan: die einzige echte Skyline Deutschlands

Keine andere deutsche Stadt hat sich für den Hochhausbau entschieden wie Frankfurt. Rund um Bankenviertel und Messe stehen mehr als ein Dutzend Türme jenseits der 150 Meter, allen voran der Commerzbank Tower mit 259 Metern – bis heute das höchste Gebäude Deutschlands – und der Messeturm mit seiner markanten Pyramidenspitze. Der Spitzname „Mainhattan“ ist dabei weniger Angeberei als Selbstironie: Die Türme stehen dicht beieinander, und dazwischen geht das normale Stadtleben mit Kiosken, Mittagslokalen und Straßenbahnen einfach weiter. Jüngstes Kapitel ist das Ostend: Dort markiert seit 2015 der 185 Meter hohe Doppelturm der Europäischen Zentralbank den Wandel des ehemaligen Großmarkthallen-Areals – am besten zu sehen vom Nordufer des Mains.

Main Tower: der öffentliche Blick von oben

Der Main Tower ist der einzige Wolkenkratzer der Stadt mit öffentlich zugänglicher Aussichtsplattform. Zwei Aufzüge bringen Sie auf rund 200 Meter Höhe; oben stehen Sie im Freien und sehen die Türme des Bankenviertels zum Greifen nah, dahinter Taunus, Flughafen und die Mainschleife. Der Eintritt liegt bei ca. 9–12 €, bei starkem Wind oder Gewitter bleibt die Plattform geschlossen. Gute Skyline-Blicke von unten gibt es kostenlos: vom Eisernen Steg, von der Alten Brücke und vom Sachsenhäuser Mainufer, wo die Türme sich abends im Fluss spiegeln.

Stayhaus-Tipp: Fahren Sie etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang auf den Main Tower. So erleben Sie die Stadt erst im Abendlicht und dann als Lichtermeer – zwei Panoramen zum Preis von einem, und die Warteschlange ist kürzer als am Nachmittag.

Römerberg und Neue Altstadt: das rekonstruierte Herz

Der Römerberg mit dem dreigiebligen Römer, seit 1405 Rathaus der Stadt, ist Frankfurts historische Mitte – und war nach 1944 fast vollständig zerstört. Die Fachwerkzeile der Ostseite wurde bereits in den 1980er-Jahren rekonstruiert; 2018 folgte das eigentliche Großprojekt: Auf dem Areal zwischen Römer und Dom entstand die Neue Altstadt mit 35 Häusern, darunter 15 originalgetreue Rekonstruktionen wie die Goldene Waage mit ihrer prächtigen Renaissancefassade. Wieder begehbar ist damit auch der Krönungsweg, über den die römisch-deutschen Kaiser vom Dom zum Festmahl im Römer zogen – im Kaiserdom St. Bartholomäus wurden zwischen 1562 und 1792 zehn Kaiser gekrönt.

Nehmen Sie sich Zeit für die Details: geschnitzte Hauszeichen, Sandsteinportale, stille Innenhöfe. Dass zwischen den Giebeln immer wieder Bankentürme aufragen, ist kein Stilbruch, sondern die ehrlichste Ansicht der Stadt. Direkt am Römerberg liegen außerdem die Schirn Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen und die Paulskirche, Tagungsort der ersten deutschen Nationalversammlung von 1848. Sportliche steigen zusätzlich auf den Domturm: Rund 330 Stufen führen auf die Aussichtsplattform in 66 Metern Höhe, von der aus sich Neue Altstadt und Bankentürme in einem einzigen Blick fassen lassen.

Das Museumsufer: Kunst am Kilometer

Am südlichen Mainufer, dem Schaumainkai in Sachsenhausen, reiht sich Museum an Museum – ergänzt um einige Häuser auf der Altstadtseite. Das Städel allein rechtfertigt die Anreise: Seine Sammlung spannt 700 Jahre europäischer Kunst von Holbein und Vermeer über Monet bis zur Gegenwart. Wer mehrere Häuser besuchen will, kauft das Museumsufer-Ticket: Es gilt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für 39 Museen und kostet ca. 20–25 € – schon ab dem zweiten oder dritten Haus rechnet es sich. Ende August gehört das Ufer beim Museumsuferfest drei Tage lang Bühnen und Ständen.

MuseumSchwerpunkt
Städel Museum700 Jahre europäische Kunst, von den Alten Meistern bis zur Gegenwart
DFF – Deutsches Filminstitut & FilmmuseumFilmgeschichte und Filmtechnik, interaktive Dauerausstellung, eigenes Kino
Museum für KommunikationPost-, Medien- und Kommunikationsgeschichte, ausgesprochen familienfreundlich
Liebieghaus SkulpturensammlungSkulptur von der Antike bis zum Klassizismus in einer Gründerzeitvilla mit Garten
Deutsches Architekturmuseum (DAM)Architektur und Stadtentwicklung, bekannt für das „Haus im Haus“
Museum Angewandte KunstDesign, Mode und Kunsthandwerk in einem Bau von Richard Meier
Weltkulturen MuseumEthnologische Sammlungen in drei Stadtvillen direkt am Ufer

Zwischen den Museen lohnt der Weg selbst: Der Schaumainkai ist von Platanen gesäumt, samstags breitet sich hier einer der größten Flohmärkte der Region aus, und über den Holbeinsteg gelangen Sie in wenigen Minuten zurück zum Bankenviertel.

Sachsenhausen und der Apfelwein

Südlich des Museumsufers beginnt Alt-Sachsenhausen, das Viertel der Apfelweinwirtschaften. Der Apfelwein – hier Ebbelwoi oder Stöffche genannt – ist herb, säuerlich und kommt im grauen Steinzeugkrug mit blauem Dekor auf den Tisch, dem Bembel, ausgeschenkt ins gerippte Glas. Bestellt wird pur, „sauergespritzt“ mit Mineralwasser oder, von Kennern belächelt, „süßgespritzt“ mit Limonade. Dazu gehören Handkäs mit Musik, ein Sauermilchkäse in Essig-Zwiebel-Marinade, und die Grüne Soße: sieben Kräuter – Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch – zu einer kalten Soße verarbeitet, serviert mit Eiern und Kartoffeln. Im Frühjahr hat die Soße ihre eigentliche Saison – traditionell ab Gründonnerstag –, und die Stadt widmet ihr sogar ein eigenes Festival mit Kochwettbewerb.

Die klassischen Adressen liegen an der Schweizer Straße und in den Gassen um die Klappergasse: Zum Gemalten Haus mit seinen Wandgemälden, gleich daneben Adolf Wagner, dazu Fichtekränzi und Atschel in der Wallstraße. An der Klappergasse spuckt der Frau-Rauscher-Brunnen in unregelmäßigen Abständen Wasser auf den Gehweg – eine Verbeugung vor einer stadtbekannten Ebbelwoi-Trinkerin aus dem Volkslied. In den Wirtschaften gilt: lange Tische, man rückt zusammen, und wer freundlich fragt, bekommt die Bestellhilfe gleich mitgeliefert.

Stayhaus-Tipp: Bestellen Sie den ersten Apfelwein sauergespritzt – der Einstieg fällt leichter – und teilen Sie sich einen kleinen Bembel. Handkäs mit Musik schmeckt übrigens auch denen, die bei „Sauermilchkäse“ zögern: mit Schwarzbrot, Butter und viel Kümmel.

Kleinmarkthalle und Innenstadt

Zwischen Zeil und Römerberg versteckt sich Frankfurts kulinarisches Gedächtnis: die Kleinmarkthalle, ein Nachkriegsbau von 1954 mit rund 60 Ständen. Hier gibt es die Kräuterbündel für die Grüne Soße fertig geschnürt, hessische Metzgertradition bei Gref-Völsing – die Rindswurst wird seit 1894 nach demselben Rezept gemacht – sowie Käse, Fisch und Blumen; oben auf der Empore schenkt ein Weinstand rheinhessische und Rheingauer Weine aus. Geöffnet ist Montag bis Samstag, am dichtesten ist das Gedränge samstags am späten Vormittag. Frische Alternative unter freiem Himmel: der Erzeugermarkt auf der Konstablerwache, donnerstags und samstags, mit Ständen von Höfen aus dem Umland – und Apfelwein direkt vom Erzeuger.

Die übrige Innenstadt erledigt man zu Fuß: die Einkaufsmeile Zeil mit der geschwungenen Glasfassade des MyZeil, die Hauptwache als Verkehrs- und Treffpunkt, das Goethe-Haus, in dem der Dichter 1749 geboren wurde, und die Alte Oper, deren Gründerzeitfassade den Opernplatz rahmt. Wer einen ruhigen Kontrapunkt sucht, geht weiter ins Westend zum Palmengarten mit seinen historischen Gewächshäusern.

Am Main: zu Fuß und mit dem Rad

Der Main ist Frankfurts eigentliche Promenade. Der Eiserne Steg, die Fußgängerbrücke von 1869 mit ihren tausenden Liebesschlössern, verbindet Römerberg und Sachsenhausen und liefert die klassische Postkartenansicht der Skyline. Beide Ufer sind durchgehend begeh- und befahrbar: flussabwärts passieren Sie das Nizza, eine Uferanlage mit mediterraner Bepflanzung, flussaufwärts führt der Weg an Wiesen und Bootsanlegern vorbei zur Gerbermühle, deren Biergarten schon Goethe als Sommerfrische diente.

Mit dem Leihrad wird daraus eine Halbtagestour: flussaufwärts bis Offenbach oder flussabwärts Richtung Höchst, dessen Altstadt mit Fachwerk und Schlossplatz kaum jemand auf der Rechnung hat. Alternativ übernimmt eine der Fahrgastschifflinien ab Eisernem Steg die Flussperspektive – eine Stunde Skyline vom Wasser aus, ohne selbst zu treten. Wer mehr Grün sucht, folgt ab dem Ostend dem GrünGürtel, einem 70 Kilometer langen Rundweg, der die Stadt in einem Bogen aus Wäldern, Feldern und Streuobstwiesen umschließt.

Frankfurt als Drehkreuz: die Nacht vor dem Abflug

Kein deutscher Flughafen ist größer als Frankfurt (FRA), und viele Reisende verbringen hier nur eine Nacht vor dem Weiterflug. Die gute Nachricht: Sie müssen dafür nicht am Terminal übernachten. Die S-Bahn-Linien S8 und S9 verbinden den Regionalbahnhof des Flughafens mit dem Hauptbahnhof in 11–15 Minuten und fahren tagsüber alle paar Minuten, auch früh am Morgen zuverlässig. Wer den Abend also in Sachsenhausen beim Apfelwein verbringen will, schafft am nächsten Morgen trotzdem bequem einen Flug ab 8 Uhr. Ein Vorteil gegenüber vielen anderen Drehkreuzen: Auch spät abends fahren die Bahnen, sodass selbst ein Ankunftsflug gegen Mitternacht noch ohne Taxi ins Zentrum kommt.

Umgekehrt gilt: Für sehr frühe Abflüge oder kurze Umstiege sind die Hotels direkt am Flughafen und im neuen Stadtteil Gateway Gardens (eigene S-Bahn-Station) die stressfreie Wahl. Und wer eine lange Umsteigezeit von sechs Stunden oder mehr hat, kann mit der S-Bahn realistisch Römerberg und Eisernen Steg besichtigen und rechtzeitig zurück sein. Beachten Sie die Messetermine: Zur Buchmesse im Oktober und zu den großen Frühjahrsmessen vervielfachen sich die Zimmerpreise – dann lohnt der Blick auf günstige Hotels in Frankfurt am Main besonders früh.

Praktische Informationen

Anreise

Mit der Bahn ist Frankfurt der am besten erreichbare Punkt Deutschlands: Der Hauptbahnhof ist zentraler ICE-Knoten, Köln liegt über die Schnellfahrstrecke gut eine Stunde entfernt, München rund 3 Stunden, Berlin etwa 4 Stunden. Mit dem Flugzeug landen Sie am größten Flughafen des Landes; vom Regionalbahnhof des Flughafens bringen die S-Bahn-Linien S8 und S9 Sie in 11–15 Minuten zum Hauptbahnhof beziehungsweise weiter zur Hauptwache, Fernzüge halten am Flughafen-Fernbahnhof.

Nahverkehr

Innerhalb des RMV-Verbunds teilen sich S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahnen die Arbeit; die unterirdische Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof, Hauptwache und Konstablerwache ist das Rückgrat. Eine Einzelfahrt kostet ca. 3–4 €, die Tageskarte ca. 6–8 €. Faktisch ist das Zentrum aber Fußgängerterrain: Vom Hauptbahnhof zum Römerberg sind es 20 Minuten zu Fuß, von dort nach Sachsenhausen über den Eisernen Steg noch einmal zehn.

Beste Reisezeit

Von Mai bis September spielt sich das Leben an den Mainufern und in den Gastgärten der Apfelweinwirtschaften ab; Ende August lockt das Museumsuferfest. Der Dezember bringt den Weihnachtsmarkt auf dem Römerberg vor Fachwerkkulisse. Prüfen Sie vor der Buchung den Messekalender – insbesondere die Buchmesse Mitte Oktober treibt die Hotelpreise stadtweit nach oben.

Übernachten: welches Viertel passt zu Ihnen?

Frankfurt ist klein genug, dass Sie von jedem zentralen Viertel aus alles erreichen – die Wahl ist also vor allem eine Frage von Atmosphäre und Budget:

ViertelCharakterGeeignet für
BahnhofsviertelBeste Anbindung und internationale Küche, aber ehrlich gesagt: Rund um Taunusstraße und Elbestraße gehören Rotlicht und offene Drogenszene zum Straßenbild, nachts ist das nicht jedermanns Sache. Dafür gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und einige der spannendsten Restaurants der Stadt.Preisbewusste, urban erprobte Reisende mit frühem Zug oder Flug
SachsenhausenApfelweinwirtschaften, Museumsufer vor der Tür, abends lebendig, tagsüber dörflich ruhig in den SeitengassenGenießer und Museumsgänger
WestendRuhiges Gründerzeitviertel mit Palmengarten und Grüneburgpark, gehobene Hotels, kurze Wege zu Messe und BankenviertelRuhesuchende und Geschäftsreisende
Innenstadt / AltstadtRömerberg, Zeil und Main fußläufig, dazwischen viel Betrieb – zentraler geht es nichtErstbesucher und Kurzaufenthalte

Im Westend und rund um den Opernplatz finden Sie die Adressen mit gehobenem Anspruch – eine Auswahl unter 5-Sterne-Hotels in Frankfurt am Main. Wer aufs Budget achtet, wird unter günstige Hotels in Frankfurt am Main fündig; die gesamte Auswahl deutschlandweit gibt es unter Hotels in Deutschland und weitere Informationen auf der Seite zum Reiseziel Frankfurt am Main.